Die Ebenen des Horoskops

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Vorwort: Dieses Manusskript (Hinweis: ältere Fassung als das Buch bei Lulu) soll Einsteigern in die Astrologie ein Verständnis für den Aufbau des Horoskops vermitteln. Dessen wesentliche vier Bereiche, die (Deutungs-) „Ebenen“, werden im folgenden in vier Kapiteln kurz erläutert und anhand zahlreicher Abbildungen veranschaulicht. Gemeint sind damit: Tierkreis, Häuserkreis, Planetenreihe und Aspekte (Winkel). Es ist allgemeiner Konsens, dass ohne sie ein Horoskop unvollständig ist und jede dieser Ebenen einer eigenen Deutungsebene entspricht. Natürlich gibt es weitere Verfeinerungen und Methoden. Sie sind aber für ein grundlegendes Verständnis über den Aufbau eines Horoskops zumindest am Anfang entbehrlich.

 

Ich berücksichtige nach Möglichkeit astronomische Zusammenhänge (siehe meine „Exkurse“) ohne sie bis ins letzte Detail erschöpfend darzulegen, denn dies würde den Rahmen dieses Artikels sprengen. Ich bespreche bewusst nur am Rande Darstellungsunterschiede und -Methoden verschiedener Astrologieschulen beim Horoskop. Zum einen, weil dies oft reine Geschmackssache ist (Farben etc.), zum anderen, weil zuerst der grundsätzliche Aufbau eines Horoskops und die grundlegenden Deutungsebenen verstanden werden sollten und das im Prinzip mit schulischen Ausrichtungen nichts zu tun hat. Oft handelt es sich dabei um Ableitungen, Sonderrichtungen/-methoden etc., die erst für Fortgeschrittene interessant werden und den Einsteiger eher verwirren würden. Als Ergänzung empfehle ich mein Manusskript „Zeichenerklärungen, Symbole, Kurzerläuterungen“, die neben den gebräuchlichsten Symbolen zu jeder Ebene kurze Stichwörter und Beschreibungen auflistet und im Anhang ausführliche Literaturlisten enthält. Insofern es sinnvoll ist, habe ich an einigen Stellen zur Vertiefung des Themas auch Links zu Internetseiten angefügt.

Alle folgenden Horoskop-/Horizont-/Ephemeridengrafiken wurden (so weit nicht anders vermerkt) erstellt mit Vision 4 2003, Astrosoft Happel

 

Kapitel I: Die Ebene I des astrologischen Tierkreises

Die vier Kardinalpunkte des Jahreskreises und der tropischen Ekliptik

 

Der Tierkreis ist keine willkürliche Anordnung von zwölf Zeichen und Charakteristika, sondern ein Sinnbild der natürlichen und menschlichen Evolution und Archetypen mit all ihren grundlegenden Entwicklungsphasen und -Stationen. Weder die Reihenfolge noch die jeweilige Qualität der zwölf einzelnen Zeichen ist daher zufällig. Mathematisch/astronomisch gesehen ist der Tierkreis ein Messkreis für die Positionsbestimmung von Sonne, Mond, Planeten und allen anderen Himmelskörpern. So kann man deren „Weg“ durch den Tierkreis, die Geschwindigkeit etc. genau beobachten und messen. Astrologisch betrachtet entspricht die Stellung eines Körpers auf einem bestimmten Tierkreisgrad dabei einer symbolischen Etappe, einer Station in einem größeren Entwicklungs-Zyklus: seiner Wanderung durch den Tierkreis, die je nach Planet natürlich unterschiedlich lange dauert.

 

Der Basiszyklus auf dem der Tierkreis beruht und von dem er die Grundeigenschaften sozusagen „geerbt“ hat entspricht dem scheinbaren Sonnenzyklus, denn die Sonne prägt als unser Zentralgestirn am stärksten das irdischen Leben, z.B. die Jahreszeiten. In gewisser Weise kann man deshalb durchaus von einem „solar“ ausgerichteten Tierkreis (und Astrologie) sprechen. Der Sonnenzyklus entspricht der exakten Dauer eines Sonnen- bzw. Erdenjahres, also der Zeit, die die Erde für einen Umlauf (Revolution genannt) um die Sonne braucht. Bei geozentrischer Sichtweise entsprechend umgekehrt. Die Länge dieses Sonnen-/Erdenjahres beträgt ca. 365.242 Kalender-/24-Stundentage. Da der heutige gregorianische Kalender auf  365 Tage gerundet ist und damit nicht exakt einem Sonnenjahr entspricht wird die Differenz alle vier Jahre mit einem 366. Schalttag kompensiert, was die Ungenauigkeit dennoch nicht exakt ausgleicht. Die Eintritte (Ingresse) der Sonne in die Tierkreiszeichen werden astronomisch zuerst sekundengenau im kalenderunabhängigen Julianischen Datum im ekliptikalen Koordinatensystem berechnet und dann in unseren Kalender umgerechnet. Es liegt nur an der Ungenauigkeit des heutigen Kalenders, dass diese Eintritte nicht immer auf den selben Tag und die selbe Uhrzeit fallen. Es kann also nicht angenommen werden, dass die Sonne am 21. März jeden Jahres in den Widder eintritt usw. Der gregorianische Kalender ist generell keine geeignete Berechnungsgrundlage für astronomische Phänomene. Zur Berechnung werden Computerprogramme oder/und gedruckte Ephemeriden (Gestirnstandstabellen) verwendet (siehe später).

 

Der Aufbau und die Symbole des astrologischen Tierkreises werden auf der folgenden Seite dargestellt.

 

Tierkreisrad

 

Rot: die Feuerzeichen Widder A, Löwe E, Schütze I

Grün: die Erdzeichen Stier B, Jungfrau F, Steinbock J

Orange: die Luftzeichen Zwillinge C, Waage G, Wassermann K

Blau: die Wasserzeichen Krebs D, Skorpion H, Fische L

 

Kardinalzeichen sind Zeichen, die die jeweilige Jahreszeit einleiten (Widder, Krebs, Waage, Steinbock)

Fixzeichen befinden sich in der Mitte der jeweiligen Jahreszeit (Stier, Löwe, Skorpion, Wassermann)

Labilzeichen beenden die jeweilige Jahreszeit und leiten in die nächste über

(Zwillinge, Jungfrau, Schütze, Fische).

 

 

Abbildung 1: Der schematisierte astrologische Tierkreis

Die Verbindung von 0° Widder zu 0° Waage nennt man Äquinoktiallinie. Die Verbindung von 0° Krebs zu 0° Steinbock heißt Solstitiallinie. Die Kreuzung dieser beiden Linien unterteilt das Jahr in vier Jahreszeiten. Das obige Beispiel für die Anfänge der Jahreszeiten gilt für die nördliche Erdhalbkugel. Auf der Südhalbkugel sind die Jahreszeiten vertauscht. Frühlingsanfang auf der nördlichen entspricht dann dem Herbstanfang auf der südlichen Erdhalbkugel. Ob bei Horoskopen für Geborene der Südhalbkugel die Tierkreiszeichen vertauscht werden müssen ist umstritten. Die gegenüberliegenden Tierkreiszeichen werden auch als „Achsen“ bezeichnet: Widder-Waage-Achse, Stier-Skorpion-Achse, Zwillinge-Schütze-Achse, Krebs-Steinbock-Achse, Löwe-Wassermann-Achse und die Jungfrau-Fische-Achse. In gewisser Weise handelt es sich hierbei um Polaritäten und Spiegelbilder, so wie die Jahreszeiten und Monate ja auch zwischen Nordhalbkugel und Südhalbkugel spiegelbildlich bzw. komplementär sind.

Der Tierkreis und die Sonnenscheindauern bzw. Tages- und Nachtlängen

 

Wie wir jetzt wissen symbolisiert der Tierkreis also die jährliche scheinbare Sonnenbahn. Wegen der Schräglage der Erde im Weltraum (siehe Präzession weiter unten) kommt es zu den Jahreszeiten und in Abhängigkeit von der geografischen Breite deshalb auch zu unterschiedlich langen Tages- und Nachtdauern. Der Tierkreis steht auch für diese jährliche „Tag-Nacht-Dauern-Kurve“.  Dieser Zusammenhang ist symbolisch betrachtet sehr wichtig, denn die einzelnen Tierkreiszeichen stehen in enger Beziehung dazu. Man kann ihre Grundbedeutungen sogar teilweise davon ableiten. Ein Beispiel: Der Frühlingspunkt befindet sich bei der Frühlings-Tag-und-Nachtgleiche, wobei die Tage wieder länger werden als die Nächte, das „Leben“ (symbolisiert durch das Licht, den Tag) „siegt“ sozusagen wieder über den „Tod“ (symbolisiert durch die Dunkelheit, die Nacht). Dies wird als Geburtsmoment eines ganzen neuen Jahres und Lebenszyklus’ verstanden. Und die Grundeigenschaften des dort beginnenden Widders beziehen sich eben genau darauf: Neubeginn, Pionierhaftigkeit, Mut, Lebenskraft, Durchsetzungsvermögen etc. Analog das gegenüberliegende Zeichen, die Waage: sie befindet sich in der Mitte (Halbzeit) des Tierkreises wieder bei einer Tag-und-Nachtgleiche (dem Herbstpunkt). Jetzt werden aber die Nächte wieder länger als die Tage, es beginnt die dunkle Jahreshälfte. Gleichzeitig findet eben auch in der Natur ein Ausgleich zur extrovertierten ersten Jahreshälfte statt, deshalb das Symbol der Waage, die die Balance versinnbildlicht (auf italienisch heißt dieses Tierkreiszeichen übrigens Bilancia) und dabei auch eine (Zwischen-) Bilanz aus der ersten Jahreshälfte zieht. Die Tageslänge (Sonnenscheindauer) variiert um so stärker, je mehr man sich vom Äquator weg zu den Polen hin bewegt, je größer also die geografische Breite wird. Am Äquator ist der Tag immer 12 Stunden lang, dort gibt es in diesem Sinne keine Jahreszeiten. Die Qualitäten der Tierkreiszeichen sind dort kaum ausgeprägt. Jenseits des Polarkreises gibt es jeweils ein halbes Jahr lang Tag oder Nacht.

 

Abbildung 2: Beispiel für München mit Tierkreisabschnitten (senkrechte Linien und Symbole), geogr. Breite: 48°08’ Nord (mittlere Kurve). Zum Vergleich je 20-Breitengrade näher (flachste Kurve) oder weiter vom Äquator entfernt (geschwungenste Kurve). Senkrecht die 24-Stunden-Skala, waagrecht die Monate 1-12.

 

 

Bei der mittleren waagrechten Linie sind die Tage und Nächte gleich lang. Zur Sommersonnenwende um den 21. Juni (JSO-Linie) ist der Tag in München gut 16 Stunden lang, zur Wintersonnenwende (DSO) sind es ca. nur acht Stunden. 20° weiter nördlich sind es aber bereits 18 respektive gut 6 Stunden. Bei den Tag-und-Nachtgleichen (Äquinoktien, abgekürzt MEQ/SEQ) beträgt die Tageslänge immer zwölf Stunden. (Software AstronomyLab for Windows). Der Tierkreis ist eine zum Kreis „zusammengerollte“ (idealisierte) Tag-Nacht- bzw. Licht-Dunkel-Kurve, die sich Jahr für Jahr wiederholt.


Die Ekliptik als Basis für den Tierkreis

 

Der astrologische Tierkreis ist im wesentlichen von der Sonnenbahn, der Ekliptik abgeleitet. Diese Bezeichnung für die Sonnenbahn rührt von der Tatsache her, dass sich in dieser scheibenförmigen Ebene auch die Finsternisse (Eklipsen) ereignen: nur wenn Erde, Sonne und Mond gemeinsam exakt in dieser Ebene stehen (was aufgrund der Mondbahnneigung zur Erde nicht immer der Fall ist) kann es zu Mond- und Sonnenfinsternissen kommen (zu Finsternissen siehe: http://www.mreclipse.com/Special/SEprimer.html). Dies war schon im Altertum bekannt und da dies die beeindruckendsten Himmelsereignisse sind erhielt dieses Band am Himmel den Namen „Ekliptik“ (Bereich der Verfinsterungen). Ausserdem kann man beobachten, dass sich letztlich sämtliche Hauptplaneten in dieser Ekliptik-Ebene (die in etwa 8° breit ist) bewegen. Nur manche Kometen, Monde, Asteroiden und Kleinplaneten haben z.T. große Bahnneigungen (Inklinationen) und laufen meistens ausserhalb dieser Ebene um die Sonne.

Die größte Inklination unter den Hauptplaneten hat Pluto mit ca. 17°:

 

 

Abbildung 3: Vereinfachte heliozentrische 3D-Darstellung des äußeren Sonnensystems, Zeitpunkt 22.11.2003, ca. 30° von der Seite. Die Ekliptikebene ist durch die Tierkreiszeichenmarkierungen angedeutet. Plutos Bahn (er steht hier im Schützen oben rechts von der Mitte) ist dazu deutlich geneigt und gleichzeitig auch sehr elliptisch. Die anderen Bahnen der äußeren gasförmigen Planeten Neptun, Uranus, Saturn und Jupiter befinden sich innerhalb der Ekliptik und haben nur eine sehr geringe Bahnneigung. Die hellen Bahnabschnitte liegen oberhalb (nördlich) der Ekliptik. Die grauen unterhalb (südlich) davon. Die Schnittpunkte (Knoten) zwischen den Planetenbahnen und der Ekliptik befinden sich exakt am Übergang vom hellen zum dunklen Bahnabschnitt. (Software: OrbitViewer, AstroArts, http://www.astroarts.co.jp/products/orbitviewer/index.html)

 

Das ekliptikale Koordinatensystem: Da die Planeten also innerhalb der Ekliptik wandern, eignet sie sich als Bezugs- und Messsystem, sozusagen als Ziffernblatt.

Die senkrechte (lotrechte) Entfernung eines Planeten zur Ekliptik nennt man die (nördliche oder südliche) ekliptikale Breite, die in Bogengrad angegeben wird. Der Abstand des Planeten zum Frühlingspunkt (0° Widder) nennt man die ekliptikale Länge, ebenfalls gemessen in Bogengrad. Diese wird für astrologische Zwecke noch auf die zwölf 30°-Abschnitte des Tierkreises umgerechnet und heißt dann Tierkreislänge oder –Position. Die Entfernung zur Sonne nennt man heliozentrischen Radiusvektor, die zur Erde heißt geozentrischer Radiusvektor. Beide werden in astronomischen Einheiten angegeben (1 AE = 149,6 Mio. km was dem mittleren Abstand zwischen Erde und Sonne entspricht).

Für astrologische Berechnungen werden die zunächst heliozentrischen ekliptikalen Positionen in geozentrische ekliptikale Positionen umgerechnet. Hierbei gilt: es werden die Positionen der Planeten so berechnet, wie sie sich dem irdischen Beobachter optisch präsentieren. Das bedeutet, dass die Laufzeit des Lichtes zwischen Planet und Beobachter auf der Erde und diverse andere Störungen (z.B. Nutation, Refraktion) so weit relevant berücksichtigt werden. Da das Licht eines Planeten eine gewisse Zeit zum Beobachter braucht, sieht er den Planeten an der Stelle, an der er eigentlich vor mehreren Minuten (oder Stunden) stand. Man spricht deshalb von der scheinbaren Position. In der Zwischenzeit hat er sich bereits weiter bewegt. Die Angabe der tatsächlichen Position eines Planeten nennt man geometrische oder „wahre“ Position. Da die Astrologie aber auf den Beobachter bezogen ist, wird wie gesagt der scheinbaren geozentrischen Position eine größere Bedeutung zugesprochen (antropozentrisches Weltbild).

Geschwindigkeitsschwankungen: Die Planetenbewegungen im Tierkreis sind übrigens nicht konstant schnell, sondern schwanken wegen ihrer leicht elliptischen Bahnen in Abhängigkeit von der Entfernung zur Erde. Dies wirkt sich wegen seiner besonders elliptischen Bahn besonders bei Pluto aus:

 

 

Abbildung 4: Vereinfachte heliozentrische Darstellung des äußeren Sonnensystems, Zeitpunkt 22.11.2003 aus der Draufsicht vom Himmelsnordpol aus betrachtet: Plutos Bahn überkreuzt die Neptunbahn nach Innen und ist deutlich am exzentrischsten. Die farbigen Linien deuten die Lage der Ekliptik bzw. der Tierkreiszeichen an. Wegen seiner elliptischen Bahn läuft Pluto in Sonnenferne (Aphel) im Stier am langsamsten (ca. 32 Jahre Aufenthalt im Stier) und in Sonnennähe (Perihel) im Skorpion am schnellsten (ca. 16 Jahre Aufenthalt im Skorpion). Wie sich das auf die Geschwindigkeit auswirkt sehen wir auch in Abb. 5.

 

 

Abbildung 5: Die Schwankung des heliozentrischen Radiusvektor Plutos über vier Jahrhunderte. Senkrecht die Entfernung zur Sonne in Astronomischen Einheiten, waagrecht die Zeitskala bis 2050 (eigene Software).

Die Täler entsprechen dem Periheldurchgang Plutos im Zeichen Skorpion. Die Berge markieren die Apheldurchgänge Plutos im Zeichen Stier. Die Schwankung beträgt ungefähr 20 astronomische Einheiten.

Unterschied Tierkreis - Sternbilderkreis und die Präzession:

 

Der Tierkreis (oder Zodiak) bzw. die Ekliptik entsprechen trotz Namensgleichheit nicht den Sternbildern! Die Namen stammen zwar ursprünglich historisch davon ab, aber: Da die Sternbilder willkürliche Grenzen haben, nicht zum Sonnensystem gehören und ungleich groß sind, sind sie als Messkreis bzw. Ziffernblatt schlecht geeignet. Dies hat man vor ca. 2000 Jahren bereits erkannt. Der Tierkreis ist eine mathematische Erfindung, um eine bessere Messung der Planetenbewegungen zu ermöglichen. Er resultiert aus dem so genannten ekliptikalen (auf die Ekliptik bezogenen) Koordinatensystem anstelle eines siderischen (auf die Sterne) bezogenen. Ausserdem reflektiert er die Unterteilung des Jahreskreises in Jahreszeiten und schließlich zwölf Monate. Er ist mathematisch gesehen klar definiert, da er am Frühlingspunkt – wenn die Sonne auf ihrer jährlichen scheinbaren Bahn genau auf Höhe des Himmelsäquators steht – beginnt und von dort aus die 360° in zwölf 30°-große Bereiche aufteilt. Um Verwirrung zu vermeiden sollte man also nicht von Sternbildern oder Sternzeichen sprechen, sondern von Tierkreiszeichen oder noch besser Ekliptikalzeichen/-stationen. Genau genommen ist der Tierkreis (und die Ekliptik) als Messsystem eine Weiterentwicklung gegenüber dem Sternbilderkreis. Selbstverständlich können auch die Positionen der Sterne und Sternbilder mit dem Tierkreis gemessen werden. Der Tierkreis ist aber ein sternbildunabhängiges Koordinatensystem und spiegelt im Grunde genommen die Raum-Zeit-Verhältnisse der Erde wieder. Da sich ausserdem die Sternbilder wegen der Präzession der Erdachse langsam hinter der Ekliptik verschieben, sind Sternbilder und Tierkreiszeichen nicht deckungsgleich. Wegen der Namensgleicheit ist die Verwechslungsgefahr dennoch groß. Auch wenn es den Medien und dem „Mann von der Straße“ oft gar nicht bewußt ist: Zeitungshoroskope etc. beziehen sich immer auf den ekliptikalen tropischen Tierkreis, die jährliche Sonnenbahn und eben nicht auf die Sternbilder!

 

Warum verschieben sich die Sternbilder?

 

Abbildung 6:
Die Schräglage der Erdachse, deren Schwankung aufgrund der Präzession

 

 

Grafiken: Nasa

Wie im Bild links zu sehen steht die Rotationsachse der Erde um ca. 23° schräg im Weltraum (das entspricht übrigens auch der Neigung der Ekliptik zum Himmels- bzw. Erdäquator, gestrichelter Pfeil). Dies verursacht unter anderem die Jahreszeiten, da die Sonneneinstrahlung je nach Stellung der schräg liegenden Erde zur Sonne variiert. Im Beispiel links ist die Nordhalbkugel der Sonne zugewand, es hat dort deshalb Sommer (und Tag). Auf der abgewandten Sübhalbkugel ist gerade Winter (und Nacht).

 

Vor allem Mond und Sonne üben auf die Erde eine „aufrichtende“ Anziehungskraft aus. Wegen ihrer schnellen Tag-Nacht-Eigenrotation und Fliehkraft weicht sie jedoch schlingernd diesem Effekt aus. Dies führt dazu, dass die Erde sehr langsam im Laufe von Jahrtausenden wie ein taumelnder Kreisel rückwärts um die tatsächliche senkrechte Achse rotiert (kreisförmiger Pfeil oben). Eine vollständige Periode dieser Schlinger- oder Taumelbewegung (Präzession genannt) um die Senkrechte dauert mehr als 25.000 Jahre und wird als das „große“ bzw. „platonische“ Jahr bezeichnet. Sie bewirkt eine stetige aber sehr langsame Neuausrichtung der aktuellen Rotationsachse und somit aller anderen Schnitt- und Bezugspunkte am Himmel wie z.B. den „Polar“-Stern, Frühlings-/Herbstpunkt etc. Auch der Winkel zwischen der Senkrechten und der Rotationsachse schwankt im Laufe dieses Präzessionszyklus’. Dabei dreht sich der gesamte Sternenhimmel hinter der Ekliptik. Die Ekliptik steht aus unserer irdischen Sicht fest, weil sie Bestandteil des irdischen Bezugssystems ist. Sie ist z. B. auf den Frühlingspunkt (Schnittpunkt Himmelsäquator -Sonnenbahn) fixiert. Wir beobachten also bei der Präzession (z.B. im Zeitraffer im Planetarium) quasi durch eine Brille (die Ekliptik) hindurch wie sich der Sternenhimmel mitsamt den Sternbildern hinter der Ekliptik weiter dreht.

 

Fazit: Der astrologische Tierkreis ist immer am beweglichen Frühlingspunkt aufgehängt, wandert also mit der Präzession des Frühlingspunktes mit! Dies ist per Definition so, da der Tierkreis immer am Frühlingspunkt anfangen muss, denn dort ist immer Frühlings- und Jahresbeginn sowie Anfang des Tierkreiszeichens Widder. Da die Sternbilder unabhängig von der Sonnenbahn sind, stimmen sie seit gut 2500 Jahren nicht mehr mit der Lage der entsprechend gleichnamigen Tierkreiszeichen überein. Die heutige abendländische und westliche Astrologie arbeitet aber grundsätzlich mit der präzessierten (tropischen) Ekliptik und nicht mit den Sternbildern! Der häufige Vorwurf sie würde die Präzession ausser Acht lassen geht an den Tatsachen vorbei, denn er bezieht sich eigentlich auf die Verschiebung der Sternbilder. Durch die Aufhängung des astrologischen Tierkreises am Frühlingspunkt bzw. 0° Widder ist die Präzession automatisch integriert. Selbstverständlich wird die Position des Frühlingspunktes unter Berücksichtigung der Präzession berechnet und nicht etwa (wie manche meinen) nach dem Kalender. Die Monate z.B. wurden nach den Tierkreiszeichen und deren Planetenherrschern benannt, nicht umgekehrt (z.B. März für Mars, Herrscher des Widders). Auch die ständig wiederkehrende Debatte über ein vermeintliches 13. Sternbild Ophiochus (Schlangenträger) geht am Thema vorbei: der Tierkreis ist eine klare mathematische Unterteilung des Sonnenjahres in zwölf gleich große Abschnitte oder Phasen und nicht eine Spiegelung irgendwelcher Sternbilder. Die mögliche Einführung eines 13. Sternbildes (weil in Nähe der Ekliptik) muss also nicht zwangsläufig zu einem 13. Tierkreiszeichen führen. 360° lassen sich durch zwölf besser teilen als durch 13 (weshalb die Babylonier übrigens die 360°-Teilung des Kreises eingeführt haben, anstatt 365° für die 365 Tage des Jahres zu verwenden!). Es geht schlicht um zwölf Stationen der Sonne, um zwölf Monate und Jahreszeiten und nicht um irgendwelche mehr oder weniger willkürlich definierten oder per Astronomie-Konferenz genormten Sternbilder.

 

Abbildung 7: Veranschaulichung der Ekliptik und der Sternbilder

(Grafiken erstellt mit Redshift 3, United Soft Media, http://www.redshift.de):

 

 

Blick von der Erde aus auf den Sternbilderkreis in Richtung Sonne, welche in der Mitte (weiss) gerade exakt am Frühlingspunkt steht (V). Die roten Linien markieren waagrecht in der Mitte die Ebene der Ekliptik und des Tierkreises, die senkrechten Bögen (Verzerrung durch das „Aufklappen“ der Himmelskugel) die 30°-Abschnitte der Ekliptik, wobei das erste Segment westlich von der Sonne dem Tierkreiszeichen Widder, dann Stier etc. entspricht, östlich von ihr sehen wir Uranus und Venus im astrologischen Fische-Zeichen (oder –Abschnitt), noch weiter östlich dann im Wassermann den Planeten Neptun und den Kentauren Chiron, der hier aufgrund seiner Bahnneigung etwas abseits der Ekliptik, nördlich davon steht und ganz rechts im Bild sehen wir noch Jupiter im Steinbock. Hinter der Ekliptik sind die violetten Grundkonturen der Sternbilder zu sehen, die zur Zeit eben nicht hinter den gleichnamigen Tierkreiszeichen erscheinen, sondern praktisch um ein Zeichen versetzt. Sternbild Widder steht im Tierkreiszeichen Stier etc. Dabei wird deutlich, dass die Sternbilder ungleich groß sind. Der grau angedeutete Himmelsbereich weist auf die Lage der Milchstraße hin.

 

Abbildung 8: Draufsicht (geozentrisch) von Norden aus in Richtung Süden die Ekliptik mit Sternbilderkreis,

Sonne, Mond und Planeten zu einem anderen Zeitpunkt (22.11.2003) als in der vorigen Darstellung:

 

 

Am linken Rand befindet sich 0° Widder (V), der Frühlingspunkt und Beginn des astrologischen Tierkreises. Von dort aus gegen den Uhrzeigersinn markieren die roten Radiallinien die Segmente der Ekliptik (äußerer roter Kreis): 0°-30° Widder, 30°-60° Stier, 60°-90° Zwillinge, 90°- 120°-Krebs, 120°-150° Löwe, 150°-180° Jungfrau. Bei 180° befindet sich der Herbstpunkt, 0° Waage. Von dort aus geht es weiter mit 180°-210° Waage, 210°-240° Skorpion, 240°-270° Schütze, 270°-300° Steinbock, 300°-330° Wassermann, 330°- 360° Fische, wobei wir bei 360° = 0° wieder an den Ausgangspunkt zurückkehren. Wir sehen wie alle Planeten, einschließlich Sonne und Mond in Nähe des Ekliptikkreises wandern, nur Chiron und Pluto liegen abseits davon. Der graue Kreis entspricht der Mondbahn, die um 5° gegen die Ekliptik (Erdbahn) geneigt ist. An den Schnittpunkten zwischen beiden Kreisen und Bahnen befinden sich die so genannten Mondknoten oder Drachenpunkte. Der Mond im obigen Beispiel befindet sich gerade in der Nähe einer dieser Mondknoten im Tierkreiszeichen Skorpion und kurz vor der Zusammenkunft (Konjunktion) mit der Sonne, also kurz vor Neumond. In diesem Beispiel wird der Neumond auch eine Sonnenfinsternis sein, da der Neumond in der Nähe des Mondknotens stattfinden wird, also Sonne, Mond und Erde auf gleicher Höhe stehen werden. Der Sternbilderkreis ist wieder mit den Grundkonturen in violett und den lateinischen Namen angedeutet. Saturn befindet sich z.B. im astrologischen Tierkreiszeichen Krebs und im Sternbild Gemini. Die weiter innen liegenden roten Kreise zeigen die südliche ekliptikale Breite in 30°-Schritten an. Bei 90° ekliptikaler Breite befinden wir uns ganz in der Mitte im nördlichen oder südlichen (ekliptikalen) Zenit der Himmelskugel.

 

Abbildung 9: Hier der selbe Himmelsausschnitt wie zum Zeitpunkt (Frühlingsanfang) der vorletzten

Abbildung 7 mit den Sternbilderdarstellungen, so wie sie oft von verschiedenen Künstlern überliefert sind.

 

 

Ein Verzeichnis der Sternbilder findet sich im Web z.B. hier: http://www.seds.org/Maps/Stars/Fig/const.html

 

Das „Wassermannzeitalter“:

 

Ein Begriff, der seit einigen Jahrzehnten vor allem in der New-Age-Szene kursiert und sich auf die Verschiebung des Frühlingspunktes durch die Sternbilder (nicht Tierkreis!) bezieht. Dabei ist in Abbildungen 7-8 zu erkennen, dass der Frühlingspunkt sich gerade zwischen dem Fische-Sternbild und dem Wassermann-Sternbild befindet. Aufgrund der Präzession (Abbildungen 6) bewegt er sich in 72 Jahren um ca. 1 Bogengrad rückwärts durch den Sternbilderkreis weiter. Hier wird deutlich, dass der exakte Eintritt in ein Sternbild wegen der willkürlichen Definition der Sternbildgrenze und der teilweisen räumlichen Überlappung der Sternbilder nicht genau gemessen werden kann. Auch die Aufenthaltsdauer des Frühlingspunktes in einem Sternbild (auch als „Zeitalter“ bezeichnet) schwankt wegen der unterschiedlichen Größe. Durchschnittlich beträgt sie ca. 2100 Jahre. Im Moment befinden wir uns siderisch betrachtet im Übergang vom Fische- zum Wassermann-Sternbild. Auf die Definition des Tierkreises hat dies keine Auswirkung, da er eben immer am Frühlingspunkt mit dem Widder beginnt, ganz unabhängig davon, welches Sternbild im Hintergrund steht. Zur Wiederholung: der astrologische Tierkreis und die Ekliptik beziehen sich auf die Sonnenbahn und die Planeten, nicht auf Sterne oder Sternbilder.

 

 


Exkurs: Ekliptikales und siderisches System im astrologischen Vergleich

 

Abbildung 10: Die Sternbilderpositionen und Tierkreispositionen der Planeten (hier ohne Häuserkreis)

kann man zum Vergleich auch in einer speziellen Horoskopdarstellung  (Vision 4 2003, Skyview) zeigen.

 

 

 

 

Innen befinden sich (grau) die Tierkreiszeichen mit den Planeten und Aussen die Sternbilder mit lateinischen Abkürzungen. Ekliptikal befindet sich z.B. die Sonne noch im Abschnitt Skorpion, siderisch (auf die Sterne bzw. den Sternbilderkreis bezogen) steht sie aber noch im Sternbild Waage (LIB steht für Libra=Waage). Die Aspekte (4. Ebene siehe unten) beziehen sich allerdings nur auf die Tierkreispositionen der Planeten, nicht auf die (blau angedeuteten) siderischen Positionen. Auch hier ist wieder deutlich erkennbar, dass die Sternbilder wegen ihrer unterschiedlichen Größen und Ausdehnungen kaum zur exakten Positions- und Winkelbestimmung der Planeten geeignet sind. Links ist übrigens wieder zu sehen, wie der Frühlingspunkt (0° Widder Innenkreis) noch in das Fische-Sternbild aussen fällt.


Kapitel II: Die Ebene II des astrologischen Häuserkreises

Die vier Kardinalpunkte des zwölf geteilten Tag-/Nachtkreises und die vier Quadranten

 

Abbildung 11: der ursprüngliche symmetrische Häuserkreis

 

Die Zwischenhäuser: Häuserspitzen 2, 3, 5, 6, welche verschieden groß sein können und dadurch meistens nicht mit den Grenzen der Tierkreiszeichen zusammenfallen. Die Häuserspitzen 8, 9, 11, 12 liegen genau gegenüber und bilden die Achsen 2-8, 3-9, 5-11, 6-12. Die Positionen der Zwischenhäuser können je nach Häusersystem (es gibt unterschiedliche sinnvolle Definitionen für die Häuserkonstruktion) voneinander abweichen. Die Achsen AC-DC (geozentrischer Horizont) und IC-MC (Meridian) werden als Hauptachsen bezeichnet und liegen in der Regel je nach Zeit und Ort nicht senkrecht aufeinander. Die Hälfte oberhalb der AC-DC-Achse ist die sichtbare Himmelshälfte. Unterhalb befindet sich der unsichtbare Himmel. immel.HimmelHDie vier Abschnitte, die sich durch die Kreuzung der beiden Hauptachsen ergeben, nennt man die vier Quadranten. Jeder Quadrant besteht aus drei Häusern, ähnlich wie jede Jahreszeit aus drei Tierkreiszeichen besteht. Die Quadranten repräsentieren daher auch die vier Tageszeiten: I. Quadrant: 1, 2, 3 (Mitternacht-Morgen, Nachmitternacht). II. Quadrant: 4, 5, 6 (Abend-Mitternacht, Vormitternacht). III. Quadrant: 7, 8, 9 (Mittag-Abend, Nachmittag). IV. Quadrant: 10, 11, 12 (Morgen-Mittag, Vormittag). Die Positionen der Hauptachsen bzw. vier Kardinalpunkte des Häuserkreises sind bei allen Häusersystemen gleich. Hier sind die Häuser gleich groß, um ihre Analogie zu den 12 Tierkreiszeichen zu verdeutlichen. Die Häuser haben analog zu den zwölf Tierkreiszeichen die gleichen Planetendomizile, vier Elemente (hier farblich am Rand gekennzeichnet), drei Modalitäten und zwei Polaritäten.

 

Ungleich große Häuser: zwei Häusersysteme im Vergleich

 

Abbildung 12: Hier sieht man außen die Häuserspitzen nach Placidus, innen (die kurzen Striche) nach Porphyrius. AC, IC, DC und MC sind wie erwartet bei beiden gleich. AC-DC und MC-IC liegen nicht senkrecht aufeinander. Dies liegt an der Schräglage des Tierkreises je größer die nördliche oder südliche Breite eines Ortes ist. Es sind deutliche Unterschiede bei den Zwischenhäuserspitzen beider Systeme zu erkennen: Placidus drittelt den Himmelsäquator und projiziert die daraus folgenden Segmente nach einem komplizierten Algorithmus auf die Ekliptik. Porphyrius hingegen teilt die Quadranten (auch wenn sie wie hier ungleich groß sind) einfach in räumlich je drei gleich große Häuser auf.

Wenn AC und MC (zwei Mal täglich) senkrecht aufeinander stehen, dann sind die Zwischenhäuser nur nach dem Porphyrius-Häusersystem gleich groß, sie umfassen dann also wie die Tierkreiszeichen je 30°. Zeitliche Systeme wie z.B. Placidus oder Koch versuchen hingegen die Schräglage des Tierkreises und die dadurch verursachten Phänomene zu berücksichtigen. Je höher die geografische Breite, um so mehr „eiert“ der Tierkreis. Das hat zur Folge, dass die Tierkreiszeichen unterschiedlich schnell aufsteigen und verschieden lange bis zum Meridian bzw. zur Kulmination benötigen. Bei einigen zeitlichen System (z.B. Koch/GOH, Alcabitus) wird der so genannten Tagesbogen (sein weiterer Weg am Himmel) des Aszendenten als Grundlage der Häuserkonstruktion verwendet. Um die Häuserspitzen zu erhalten wird dieser dann pro Quadrant gedrittelt und nach verschiedenen Verfahren auf die Ekliptik projiziert. Eine ähnliche Möglichkeit ist auch, für den gerade aktuellen aufsteigenden Tierkreisgrad (Aszendent) z.B. die Zeit zu messen, die er bis zur Himmelsmitte (MC) braucht. Diese Zeit wird dann gedrittelt, da man ja zeitlich drei gleich große (lange) Häuser möchte. Benötigt er z.B. 6 Stunden bis zum MC, so wird die Strecke in Bogengrad berechnet, die er in den nächsten 2 Stunden (6 : 3 * 1 = 2) zurücklegen wird. Dieser Abstand wird dann vom Aszendenten aus abgetragen und zur Spitze des 12. Hauses. Für die 11. Häuserspitze nimmt man den Punkt an dem sich der AC 4 Stunden (6 : 3 = 2 * 2 für das „2.“ Haus nach dem AC) später befinden wird. Da sich die räumliche Lage des Tierkreises im Laufe des Tages verschiebt und dadurch die Aufstiegsgeschwindigkeiten variieren werden diese Zwischenhäuser unterschiedlich groß, auch wenn AC und MC senkrecht aufeinander stehen! Es wird also die zeitliche Dynamik des Tierkreises in Abhängigkeit von der geografischen Breite berücksichtigt. Nachteil dieser Zeitsysteme ist allerdings, dass sie einen aufsteigenden Grad (AC) benötigen. An den Polen versagen sie, da dort nichts aufsteigt (Circumpolare Bewegung des Himmels). Räumliche Systeme (z.B. Campanus) haben dieses Problem nicht, berücksichtigen aber die Drehung des Tierkreises je nach geografischer Breite und die dadurch bedingten verschiedenen Aufgangszeiten nicht.

Das generelle „Problem“ der Häuserberechnung: wie sollen die Zwischenhäuser definiert und berechnet werden? Geht man mehr nach rein räumlichen Kriterien vor oder sollte man nicht doch die Lage und zeitlichen Phänomene des Tierkreises berücksichtigen? Für dieses Problem gibt es eben verschiedene Lösungswege. Eine „ideale“ Lösung wurde bisher noch nicht gefunden. Die unterschiedlichen Lösungsansätze bzw. Häuserkonstruktionen haben alle Vor- und Nachteile. Eine Übersicht über die Formeln für die verschiedenen Häusersysteme gibt es auf englisch hier: http://astrologysoftware.com/cg/x.dll?p=na2&sql=E3&name=House|Systems&orig=../../resources/outline/MS_OutTech.asp?orig=I2. Verschiedene Häusersysteme zum Vergleich berechnen und anzeigen: http://www.centaurresearchproject.de/cgi-bin/acmc.pl

Abbildung 13: Häuserkonstruktion nach Porphyrius und Regiomontanus

 

Die vereinfachte Darstellung zeigt die Schräglage der Ekliptik (roter Kreis) zum 27.5.2003, 11h22m MES von München aus gesehen. Blick in Richtung Süden (S) und Äquator. Die Himmelskugel ist wieder „aufgeklappt“: wir sehen aus einer gewissen Distanz vom Rand der Himmelskugel in sie hinein, deshalb ist ihr Gipfelpunkt (Zenit) und Tiefstpunkt (Nadir) hier überhaupt zu sehen. Die Verbindungslinie zwischen beiden heißt Meridian. Senkrecht dazu verläuft ebenfalls durch den Südpunkt der waagrechte Horizont, der die Taghälfte von der Nachthälfte trennt, wobei hier die Nachthälfte durchsichtig gemacht wurde. Als zweiter Bezugskreis neben der Ekliptik ist hellgrau der Himmelsäquator eingetragen. Dort wo er die Ekliptik schneidet befinden sich die Äquinoktialpunkte, die Tag-und-Nachtgleichen, 0° Widder und 0° Waage. Von hier aus sind mit kurzen dunkelgrauen Markierungen die 30°Abschnitte der Tierkreiszeichen angedeutet. Hierbei fällt auf, dass sie anscheinend unterschiedlich groß sind, was allerdings nur an der zweidimensionalen Verzerrung liegt. Drei der vier Kardinalpunkte des Häuserkreises sind zu sehen: am Schnittpunkt der grünen Meridianlinie mit der Ekliptik befindet sich der MC, der zugleich Beginn des 10. Hauses ist. Dort wo der Horizont die Ekliptik in östlicher und westlicher Richtung schneidet befinden sich der Aszendent (östlich/links) und Deszendent (westlich/rechts), die jeweils den Beginn des 1. bzw. 7. Hauses markieren. Der IC liegt dem MC genau gegenüber und liegt hier ausserhalb der Grafik ganz unten. Diese vier Punkte unterteilen sowohl die Ekliptik wie auch den Äquator in vier Abschnitte oder Quadranten. Bei der Porphyriusmethode wird nun jeder dieser Quadranten auf der Ekliptik gedrittelt (kurze hellblaue Striche). Bei Regiomontanus wird der Äquator gedrittelt (was gleichzeitig einer Zwölferteilung des Äquators in 30°-Abschnitte entspricht). Diese Punkte projiziert man vom Südpunkt des Horizontes aus auf die Ekliptik (kurze violette Striche). So erhält man nach beiden Methoden verschieden große Zwischenhäuser /hellblaue Nummerierungen) und auch unterschiedliche Häuserspitzen (farbige Markierungen auf der Ekliptik). In diesem Beispiel sind die Häuserspitzen nach Regiomontanus übrigens fast an der selben Stelle wie die nach Placidus bei Abbildung 12, obwohl die Häuser nach Placidus wie bereits erwähnt anders ermittelt werden.

 

Ebene I + II: Verschmelzung des Häuserkreises und Tierkreises

 

 

Häusersystem im Beispiel: Placidus

 

Abbildung 14: Die Stellung der Tierkreiszeichen in den Häusern gibt Auskunft darüber, welche Energien sich in welchen Lebensbereichen zeigen und äußern. Man kann auch von einer „Einfärbung“ der verschiedenen Lebensbereiche und –Bühnen sprechen. Ohne Berücksichtigung der Planetenstellungen gibt dies allerdings nur grobe, allgemeine Hinweise bzw. wird nur die Eigenschaft des Ortes beschrieben.


Kapitel III: Die Planetenreihe

 

Die Reihenfolge der Planeten im Sonnensystem beginnend bei der Sonne:

Sonne, Merkur, Venus, Erde und Mond, Mars, Haupt-Asteroidengürtel mit z.B. Ceres, Pallas, Juno und Vesta, Jupiter, Saturn, Haupt-Kentauren mit z.B. Chiron, Pholus und Nessus, Uranus, Neptun, Transneptunier, Pluto und Transplutonier wie zum Beispiel Quaoar (unten nicht eingezeichnet).

 

Für die Astrologie spielen bei der Grundbedeutung natürlich die zyklischen (Umlaufszeit) und physikalischen Eigenschaften, aber auch die mythologischen eine große Rolle.

 

Auf die astronomischen Eigenschaften des Sonnensystem und der Planeten näher einzugehen würde hier zu weit führen, hierzu gibt es z.B. bei der Nasa sehr gute Internetseiten mit vielen Fotos von Raumsonden und Abbildungen. Auch z.B. bei „The Nine Planets“ http://seds.lpl.arizona.edu/nineplanets/nineplanets/nineplanets.html stellt viele aktuelle Infos zur Verfügung.

 

Auch der dtv-Atlas zur Astronomie ist hier zu empfehlen. Für die Mythologie sei auf Kerenyi (dtv) verwiesen.

 

Zum Thema heliozentrische und geozentrische Planetenbewegungen und –Phasen gibt es sehr gute Animationen als interaktive Java-Applets bei J. Giesen im Web: http://www.jgiesen.de/astro/planets/geocentric/index.htm und http://www.venus-transit.de/PlanetMotion/

 

Abbildung 15: Der scheinbare geozentrische Stand der Planeten innerhalb der Ekliptik am 27.5.2003, ohne Tierkreiszeichensymbole. Links der Beginn der Ekliptik (0°). Von dort aus im Gegenuhrzeigersinn: Mond auf 24°, Venus und Merkur in Konjunktion auf 43°, der aufsteigende Mondknoten auf 59°,  die Sonne auf 65°, Saturn auf 89°, Jupiter auf 132°, Pholus (Kentaur) auf 229°, der absteigende Mondknoten auf  239°, der rückläufige Pluto auf 258°, der rückläufige Chiron (Kentaur) auf 287°, der rückläufige Nessus (Kentaur) auf 294°, der rückläufige Neptun auf 313°, Mars auf 320° und schließlich Uranus auf 342°. Die zwölf 30°-Abschnitte der Ekliptik sind bereits als Vorbereitung für die Tierkreiszeichen eingetragen. In Abbildung 16 sind sie eingezeichnet. Hierbei werden dann die absoluten ekliptikalen Längen (0°-360°) in die zwölf 30°-Abschnitte des Tierkreises umgerechnet. So befindet sich dann zum Beispiel Saturn auf 29° Zwillinge (89° minus 2 mal 30° = 29° im dritten 30°-Abschnitt bzw. Zeichen).

 

Wie erhält man diese geozentrischen (auf die Erde im Mittelpunkt bezogenen) Positionen, wenn sich Sonne, Mond und die Planeten doch eigentlich um die Sonne, also heliozentrisch bewegen? Folgende Abbildungen sollen dies auf den nächsten Seiten veranschaulichen.


Heliozentrische und geozentrische Planetenpositionen

 

Wie schon erwähnt werden die Planetenpositionen zunächst heliozentrisch berechnet, also gemäß ihrer tatsächlichen Bewegung um die Sonne.

 

Abbildung 16: Beispiel der heliozentrischen Positionen der inneren Planeten, Mars, Erde (Mond nicht eingezeichnet), Venus und Merkur für den 27.5.2003 wie bei Abbildung 14. Die punktierten Ellipsen deuten die Umlaufbahnen an. Besonders die Marsbahn ist dabei auffällig asymmetrisch und elliptisch. Die farbigen Verbindungslinien von der Sonne zu den Planeten und deren graue Verlängerungen zum Tierkreis zeigen, wie die Planeten von der Sonne aus gesehen im Tierkreis positioniert sind: Die Verbindungslinien werden einfach auf das aussen gedachte Tierkreis-„Ziffernblatt“ projiziert. Im Beispiel ist die heliozentrische Position von Merkur (innerste Bahn, orange) auf ca. 272° in der Ekliptik, was 12° Steinbock entspricht, die der Venus (zweitinnerste Bahn weiss) auf ca. dem 11. Ekliptikgrad (=11° Widder), die Erde (grün) ekliptikal auf ca. 245° (=5° Schütze) und schließlich die Marsbahn (rot) auf ca. ekliptikal 277° (=7° Steinbock). Da die Sonne sich nicht mit den Planeten mitbewegt gibt es keine Rückläufigkeit. Die Planeten bewegen sich alle in die gleiche Richtung im Gegenuhrzeigersinn.

 

 

Verwendete Software: Planetenpositionen und –Bahnen: Planet’s Orbits 1.7.0, Alcyone Shareware-Software (http://www.alcyone.de). Tierkreis aussen mit Vision IV erstellt und per Grafikbearbeitung eingefügt.

Beobachten wir jetzt in Abbildung 17 wie sich die auf die Ekliptik projizierten Planetenpositionen verändern, wenn wir anstelle der Sonne jetzt die Erde in den Mittelpunkt rücken, also den geozentrischen Standpunkt des irdischen Beobachters einnehmen.

 

Abbildung 17: Geozentrische Projektion der Planetenpositionen von Abbildung 16 auf die Ekliptik

 

 

Deutlich erkennbar ist der „verschobene“ Tierkreis: die Erde steht jetzt im Mittelpunkt. Die Planetenbahnen verändern sich natürlich nicht (sie ragen nur aus Platzgründen über den eingezeichneten Tierkreis hinaus). Die Verbindungslinien von der Erde zu den Planeten und zur Sonne zeigen an, auf welchen Ekliptik- bzw. Tierkreisgraden jetzt die Planeten sowie Sonne von der Erde aus gesehen erscheinen (der Mond wurde wieder weggelassen). Im Vergleich zur heliozentrischen Ansicht von Abbildung 15 steht jetzt die Sonne exakt 180° gegenüber der Erde, nämlich auf 65° der Ekliptik bzw. 5° Zwillinge. Das muss natürlich so sein, denn wir haben ja den Sonnen-Standpunkt mit dem Erd-Standpunkt vertauscht. Venus und Merkur erscheinen jetzt von der Erde aus gesehen sehr eng beieinander auf 42-43° der Ekliptik bzw. 12°-13° Stier. Sie scheinen also in Konjunktion zu stehen. Das Wort „scheinbar“ bezieht sich dabei übrigens rein auf die heliozentrische Perspektive: für einen irdischen Beobachter sind diese geozentrischen Positionen natürlich die „tatsächlichen“; so sieht er sie am Himmel! Mars befindet sich in dieser Projektion auf der Ekliptik auf ca. 320°, also ungefähr auf 20° Wassermann. Alle Planeten haben eine deutliche Verschiebung im Tierkreis erfahren und entsprechend der Entfernung und dem Winkel im Dreieck Planet, Erde und Sonne. Diese Positionen werden in das Horoskop eingezeichnet (siehe wieder Abbildung 14 und Abbildung 22).

 

Exkurs: Beispiel für eine marszentrische Perspektive

 

Schauen wir uns in Abbildung 18 zum Spaß einmal das ganze aus marszentrischer Sicht an, wieder gleiches Datum:

 

 

Einem Mars-Astronauten würden sich die Planeten so präsentieren: Sonne und Merkur dicht beieinander auf ca. 5-7° Krebs; die Erde stünde auf ca. 21° Löwe kurz nach ihrer größten Elongation (die Verbindungslinie Mars-Erde berührt die Erdbahn beinahe nur tangential, also hat die Erde fast ihren Maximalabstand zur Sonne erreicht!) und die Venus wäre auf ungefähr 11° Zwillinge. Prinzipiell läßt sich also jeder Planet als Zentralplanet verwenden. Nach gleichem Muster könnten wir auch ein venuszentrisches, merkurzentrisches usw. Horoskop berechnen. Der irdische Standpunkt ist jedoch zur Zeit der einzige, den wir tatsächlich erleben. Allerdings haben schon eine paar Astronauten die mondzentrische Perspektive erfahren…


Abbildung 19: Zur Ergänzung dazu auch die heliozentrischen Positionen der äußeren Planeten des Sonnensystems:

Jupiter, Saturn, Uranus, Neptun und Pluto (von innen nach aussen), wieder für den 27.5.2003:

 

 

Von den Abbildungen 3 und 4 her kennen wir schon die sehr exzentrische Bahn Plutos. Hier überragt sie links allerdings nur aus Platzgründen den Tierkreis. Im Quadranten rechts oben überschneidet sie die Neptunbahn deutlich nach innen. Plutos (dunkelgraue) heliozentrische auf die Ekliptik bzw. den Tierkreis projizierte Position ist ca. 258° (18° Schütze), Neptun (violett) steht auf ca. 310° (10° Wassermann), Uranus (hellgrün) auf etwa 329° (29° Wassermann), Saturn (grau) ungefähr auf 91° (=1° Krebs) und Jupiter (lila) auf ca. 142° (=22° Löwe).

 

Abbildung 20: Auch hier im Vergleich dazu der geozentrische Blick auf das äußere Sonnensystem für das gleiche Datum:

 

 

Der gelbe Punkt markiert die Position der Sonne. Der Ausstrahlungspunkt der Planeten-Projektionslinien liegt bei der Erde. Auffällig ist hier, dass die Entfernungen zu den äußeren Planeten des Sonnensystems im Vergleich zur Sonne-Erde-Distanz viel größer sind. Deshalb verschieben sich die Ekliptikpositionen der äußeren Planeten vom heliozentrischen zum geozentrischen Standpunkt aus nur geringfügig. Der Unterschied ist bei den weit entfernten und sehr langsamen Planeten daher minimal. Lediglich bei den etwas schnelleren Gasriesen Saturn und Jupiter (die zwei inneren Bahnen) sind die Positions-Unterschiede etwas größer: Saturn liegt hier geozentrisch auf 89° der Ekliptik bzw. 29° Zwillinge im Gegensatz zu 1° Krebs heliozentrisch; Jupiter auf 132° der Ekliptik bzw. 12° Löwe im Gegensatz zu 22° Löwe heliozentrisch. Gerade das Beispiel Saturns zeigt, dass hier sogar die Zeichen-Position zwischen heliozentrischer und geozentrischer Berechnung unterschiedlich sein kann. Pluto muss hier übrigens rückläufig sein, da ihn die Erde auf ihrer viel weiter innen liegenden Bahn gerade „unterholt“, was immer dann der Fall ist, wenn der äußere Planet ungefähr in Opposition zur Sonne steht. Die endgültige Übertragung der geozentrischen Planetenpositionen in das Horoskop sehen wir in Abbildung 22. Doch davor kurz zum Thema Rückläufigkeit.

 

 

Die Rückläufigkeitsschleife der Planeten

 

Abbildung 21: Aus geozentrischer Sicht scheinen die Planeten (ausser Sonne und Mond) manchmal eine Schleife am Himmel zu drehen. Hier sehen wir ein Beispiel der „Venus-Schleife“ im Jahre 2004. Die gelb markierte waagrechte Skala zeigt die Ekliptik, wobei die Venus kurz vor dem Beginn des Krebses bei 90° mit der Rückwärtsbewegung beginnt, bis sie auf ca. 75° (=15° Zwillinge) zurückläuft und dann wieder umkehrt und direktläufig wird. Die senkrechte Skala zeigt die nördliche und südliche ekliptikale Breite. Wir sehen, dass während der Rückläufigkeit sich die ekliptikale Breite der Venus verändert, was eben wie eine Schleife aussieht. Der erste Umkehrpunkt wird mit SR abgekürzt für stationär rückläufig, da für ein paar Stunden die Venus stillzustehen scheint. Die zweite Richtungsänderung nennt man SD für stationär direktläufig. Wenn in Ephemeriden nur ein „r“ angegeben wird, ist immer der erste Umkehrpunkt also „sr“ gemeint. Der zweite SD Zeitpunkt ergibt sich dadurch, dass „r“ dann wieder verschwindet.

 

Planeten innerhalb der Erdbahn werden immer dann rückläufig, wenn zwischen Erde und Sonne in Konjunktion stehen (siehe Giesens Animationen). Planeten ausserhalb der Erdbahn werden dann rückläufig, wenn sie in Opposition (also gegenüber) der Sonne stehen. Je langsamer ein Planet ist und je weiter er von der Erde entfernt ist, desto länger dauert die Rückläufigkeitsperiode: bei Uranus, Neptun, Pluto sogar mehrere Monate.

 

 

 

Grafik erstellt mit der Public Domain Astronomie-Software Solex 8.5

http://main.chemistry.unina.it/~alvitagl/solex/

 


Ebene I + III:  Verschmelzung des Tierkreises und der Planeten

 

Abbildung 22: Die geozentrische scheinbare Stellung der Planeten in den Tierkreiszeichen für einen bestimmten Zeitpunkt wie sie global für die gesamte Welt gilt. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von einem Mundanhoroskop (Welthoroskop). Üblicherweise wird bei Mundanhoroskopen der Widder nach links eingezeichnet. Hier ist der Tierkreis bzw. die Ekliptik wie ein Ziffernblatt, dass verschieden schnelle „Zeiger“ (die Planeten, Sonne und Mond) enthält, die wiederum in einer riesigen kosmischen Uhr verschiedene Zyklen und Zeitqualitäten anzeigen. Die Qualitäten der Planeten werden durch die Tierkreiszeichen eingefärbt. Ihr Stil ändert sich, nicht ihre Aufgabe. Aspekte und Häuser fehlen noch. Ein „r“ deutet auf die rückläufige Bewegung des Planeten hin. Die Planeten bewegen sich normalerweise im Gegenuhrzeigersinn durch den Tierkreis bzw. die Ekliptik. Da wir sie aus geozentrischer Sicht beobachten, können sie manchmal von der Erde unter- oder überholt werden. Dann scheinen sie für einige Zeit rückwärts zu laufen.

Der Tierkreis dient wie gesagt als Messkreis für die Planetenpositionen. Gleichzeitig ist jede Darstellung eine Momentaufnahme, sozusagen ein Schnappschuss, eines sich ständig in Bewegung befindlichen Sonnensystems. Die Planeten entsprechen aktiven Energien und Dimensionen der Natur und unserer Persönlichkeit (bei antropozentrischer Sichtweise). Die Sonne symbolisiert z.B. den Wesenskern, das Zentrum und vitale Herz allen Geschehens. Ihre Stellung in den Tierkreiszeichen (nicht Sternbildern!) zeigt ihren individuellen Stil und ihre Einfärbung.

 

Anmerkung: Bei der Berechnung der Planetenpositionen wird besonders viel Wert auf ihre scheinbare geozentrische Positionen am Himmel gelegt, so wie sie von einem irdischen Beobachter aus wahrgenommen werden. Dies beinhaltet u.a. die Berücksichtigung der Lichtlaufzeit, Aberration, Präzession und Nutation. Beim Mond wird teilweise auch noch die Parallaxe und Refraktion berücksichtigt.


Exkurs: Ephemeriden und Darstellung der geozentrischen Planetenbewegungen

 

Abbildung 23: Eine typische vereinfachte tabellarische Ephemeride für 0 Uhr Weltzeit (GMT = Greenwich Mean Time) in 7-Tagesabständen beginnend beim 1.1.2003. Von links nach rechts: Sonne, Mond, Merkur, Venus, Mars, Jupiter, Saturn, Chiron, Uranus, Pholus, Neptun, Nessus, Pluto und aufsteigender wahrer Mondknoten. Ein kleines ‚r’ steht für die rücklöufige Bewegung. Ein kleines ‚s’ für die Richtungsänderung und den kurzfristigen scheinbaren Stillstand (stationäre Phase). Die Angabe ist Bogengrad und Bogenminuten.

 

 

Abbildung 24: Die grafische Ephemeride zeigt die zeitliche Dynamik der Planetenbewegungen von Innen nach Aussen im Tierkreis. Die Ringe repräsentieren die Zeitskala. Überkreuzungen der Linien entsprechen Konjunktionen. Die Schlangenlinien entstehen durch Geschwindigkeitsschwankungen und Rückläufigkeitsphasen. Verschiedenste Ephemeridenrechner gibt es: http://www.centaurresearchproject.de/menu/planeph.pl

 

 

 


Ebene II + III: Verschmelzung der Häuser und Planeten

 

 

Abbildung 25: Gleicher Zeitpunkt wie im vorigen Beispiel. Häusersystem Placidus. Hier wurden aber die Tierkreiszeichen ausgeblendet und der Beginn des Häuserkreises, der Aszendent, wie üblich nach links eingezeichnet. Aspekte fehlen noch. Die Stellung der Planeten in den Häusern symbolisiert ihre Ausdrucksebene, in welchem Lebensbereich sich ihre Eigenschaften am direktesten manifestieren. Planeten in der Nähe der Hauptachsen gelten als besonders prägnant und dominant, weil sie sich die von ihnen symbolisierten Energien am leichtesten nach Aussen manifestieren können. Durch die Einbeziehung der Häuser kann man hier schon von einem individuellen Horoskop sprechen, so wie der Himmel zu diesem Zeitpunkt von München aus zu sehen war. Die Hälfte oberhalb der AC-DC-Linie entspricht dabei dem sichtbaren Himmel, die untere Hälfte der unsichtbaren. Da die Sonne beispielsweise im 10. Haus vor dem MC steht (die Planeten bewegen sich rückwärts durch die Häuser), befindet sie sich unmittelbar vor ihrer Kulmination, es ist also bald Mittag (was nicht unbedingt immer um 12 Uhr sein muss). Auch der Mond steht relativ weit oben am Himmel. Mars befindet sich gerade am Deszendent, ist also gerade im Begriff am Westhorizont unterzugehen. Jupiter ist hingegen im Osten im 12. Haus gerade aufgegangen. Die zwölf Häuser werden in der Reihenfolge ihres Aufsteigens bzw. Auftauchens am Osthorizont ab dem Aszendenten gezählt! Sie bewegen sich im Gegenuhrzeigersinn durch den Tierkreis so dass die Planeten scheinbar rückwärts durch die Häuser wandern. In Wirklichkeit überholen die Häuserspitzen die Planeten nur, weil die Eigenrotation der Erde (die die Häuser repräsentieren) natürlich schneller als die Planetenbewegungen im Tierkreis sind.


Exkurs: Die Horizontdarstellung des Häuser- und Tierkreises zum gleichen Zeitpunkt wie vorher:

 

 

Abbildung 26: Der blaue Kreis in der Mitte entspricht dem Himmelsäquator (auf die Himmelskugel projizierter Erdäquator).

Die gekrümmte grüne Linie zeigt den sichtbaren geozentrischen Horizont zum Zeitpunkt und vom Ort des Beobachters aus.

Vergleiche auch mit Abbildung 13 auf Seite 13.

 

Die Himmelsrichtungen sind in cyan angezeigt. Die senkrechte Linie von Süden nach Norden entspricht der MC-IC-Linie und dem Meridian. Auf dieser Linie erreichen die Planeten ihre tägliche obere (MC) oder untere (IC) Kulmination. Der Aszendent und Deszendent befindet sich am östlichen (AC) bzw. westlichen (DC) Schnittpunkt zwischen der Horizontlinie und dem Tierkreis. Die Zwischenhäuser nach Placidus sind hier als graue gekrümmte Linien zu sehen. Beim AC beginnt gegen den Uhrzeigersinn das 1. Haus etc.

In diesem Beispiel ist gut zu erkennen, dass die AC-DC-Linie nicht senkrecht auf der MC-IC-Linie stehen muss. Die Zwischenhäuser sind bei Berechnung nach der Placidus zwar auf dem Himmelsäquator gleich groß. Berechnet man aber ihre Schnittpunkte mit der Ekliptik, so ergeben sich ungleich große Häusergrenzen. Die Häuser im Bereich Süden-Osten sind im obigen Beispiel deutlich größer als gegenüber. Dies liegt daran, dass die Ekliptik (roter Kreis) wegen der geografischen breites Münchens von 48°08’ Nord meistens schräg bzw. unzentriert liegt. Auf dem Ekliptikreis sind orange die Hauptplaneten (orange) eingezeichnet. Pluto, Chiron, Pholus, Nessus liegen wegen ihren stark geneigten Bahnen „daneben“. Die grauen Kreise markieren Parallelkreise zum Himmelsäquator. Der Abstand zum Himmelsäquator wird als Deklination in Bogengrad angegeben (siehe Tabelle rechts). Die Position der Planeten auf der blauen Himmelsäquatorlinie werden wie bei der Ekliptik ab dem Frühlingspunkt in Bogengrad oder aber auch im 24-Stundensystem (Bogengrad/15) als so genannte Rektaszension angegeben. Man spricht vom äquatorialen Koordinatensystem. Daneben gibt es als drittes Koordinatensystem noch das horizontale, welches auf den lokalen Horizont in Azimuth (auf dem Horizont von Osten aus in Bogengrad) und Kompasshöhe angegeben wird. Dieses ist besonders für das Auffinden von Himmelskörpern mit dem Teleskop geeignet.


Ebenen I, II + III: Verschmelzung Tierkreis, Häuser und Planeten

 

 

 

Abbildung 27: Ein fast vollständiges Horoskop, nur die Aspekte fehlen noch. Häusersystem wieder Placidus. Die durch die Tierkreiszeichen im Stil eingefärbten Planeten (deshalb erscheinen ihre Symbole in der Farbe der Tierkreiszeichen) äußern sich in bestimmten Häusern und Lebensbereichen. Die Häuser wiederum sind selbst wiederum den vier Elementen zugeordnet (hier Aussen farblich angedeutet), haben also auch eigene Qualitäten, Eigenschaften und Herrscher. Die Tabelle rechts zeigt die genauen Tierkreisgrade der Planeten („R“ für Rückläufigkeit) sowie AC und MC an. Die Zwischenhäuser werden hier aus Platzgründen nicht aufgelistet. Für viele Astrologieschulen reicht eine solche Darstellung bereits aus (z.B. Münchner Rhythmenlehre nach Döbereiner).


Kapitel IV: Synthese von Tierkreis, Häuser, Planeten und Aspekte

Das vollständige Horoskop

 

 

Abbildung 28: Hier sind schließlich auch die Winkel, die so genannten Hauptaspekte, basierend auf der 30°-Teilung des Tierkreises eingezeichnet: Konjunktion (0°, orange), Sextil (60°, hellblau), Quadrat (90°, rot), Trigon (120°, blau) und Opposition (180°, rot). Die Winkel können auch aus der Teilung des 360°-Kreises durch ganze Zahlen hergeleitet werden: Teiler 1 für Konjunktion, Teiler 2 für Opposition, Teiler 3 für Trigon, Teiler 4 für Quadrat usw.. Folgt man dieser Herleitung, so gehörten das Quintil (Teiler 5), das Septil (Teiler 7), Oktil (8), Nonil (9), Dezil (10), Undezil (11) und Duodezil (12) ebenfalls zur Hauptaspektreihe. Man sollte sich aber auch immer im klaren darüber sein, dass die Winkel die Phasen der einzelnen Zyklen zweier Planeten repräsentieren. Stehen beispielsweise Sonne und Mond im Quadrat zueinander, so handelt es sich um die Halbmondphase. Bei einer Konjunktion endet ein alter Zyklus und beginnt ein neuer (z.B. Neumond). Bei Opposition stehen sich beide Planeten von der Erde aus gesehen genau gegenüber: es ist der Höhepunkt in jedem Zyklus (z.B. Vollmond). Es ist üblich die Aspekte zwischen den Planeten und zu den beiden Hauptachsen einzuzeichnen, wobei für Sonne und Mond bei der Konjunktion der größte Orbis (Toleranzradius) von ca. 8° verwendet wird, für die Planeten entsprechend weniger. Bei dieser Darstellung der Winkel sind diejenigen fett eingezeichnet, die besonders genau sind. Dünnere Aspektlinien repräsentieren ungenauere Winkel. Manchmal werden auch die Winkel-Symbole dazu gezeichnet, was aber die Grafik unübersichtlicher macht. Siehe Beispiel auf der übernächsten Seite.

 

Die Planeten Merkur und Venus können im geozentrischen Horoskop übrigens nie weit von der Sonne entfernt stehen und kein Quadrat etc. zu ihr bilden, weil sie innerhalb der Erdumlaufbahn als Begleiter der Sonne immer in ihrer Nähe bleiben. Merkur kann maximal 28° von der Sonne entfernt sein, Venus maximal ungefähr 48°. Zwischen Merkur und Venus kann ein maximaler geozentrischer Winkel von ca. 72° erreicht werden. Siehe Beispiele auf der nächsten Seite. Man spricht hier von der größten östlichen oder westlichen ekliptikalen Elongation. Stehen Venus und/oder Merkur im Tierkreis vor der Sonne (wie im obigen Beispiel) so gehen sie vor der Sonne auf, sind also „Morgensterne“. Stehen sie hinter der Sonne, so gehen sie nach der Sonne unter, sind also dann „Abendsterne“. Je weiter sie dabei von der Sonne entfernt sind, desto länger können sie am Morgen- oder Abendhimmel gesehen werden.

 

Exkurs: Zur Veranschaulichung dieser Dynamik drei Grafiken (so genannte Zykloskope)

der geozentrischen Sonne-Merkur-, Sonne-Venus- und Merkur-Venus-Zyklen:

 

 

Abbildungen 29-32: Senkrecht ist der geozentrische Winkel zwischen beiden in Bogengrad aufgetragen. Waagrecht die Zeit (Monate/Jahre). Die senkrechte Skala ist in 10° (punktierte Linien) und 30° (durchgezogene Linien) unterteilt und mit Adpektsymbolen versehen. Die Nullinie entspricht dabei der Konjunktion (0° Abstand), die oberste Linie dem Maximalabstand im Kreis (180°), der Opposition. Die Unregelmäßigkeiten entstehen durch Rückläufigkeiten von Merkur und Venus. Wegen der elliptischen Bahnen und daraus resultierenden Entfernungsschwankungen sind die Maxima nicht immer gleich.

 


Das vollständige Horoskop mit Aspektsymbolen und Aspektarium

 

 

Abbildung 33: Hier sind jetzt die Aspektsymbole zu den Winkeln hinzugezeichnet, so wie sie im Aspektarium (Treppengrafik links unten) verwendet werden. Im Aspektarium wird aufgelistet, welche Planeten-Paare in welchem Winkel zueinander stehen bzw. ob sie überhaupt einer der Hauptaspekte verbindet.

Unter der Angabe des Häusersystems „Placidus“ rechts stehen übrigens nur die Häuserspitzen 2, 3, 11 und 12, da die anderen Häuserspitzen jeweils 180° gegenüber liegen. „Radix“ (Wurzel) steht stellvertretend für „Geburts“-Horoskop.

 

Anmerkung: Horoskoperstellungen, Deutungstexte und -Bestellungen gibt es online

z.B. bei Astrodienst Zürich AG unter http://www.astro.ch

.

Abbildung 34 und 35: Zur Horoskopzeichnung gehört auf jeden Fall auch ein Datenblatt welches die Daten für die Zeichnung enthält. Die Spalten oben: die Tierkreisgrade der Planeten, ihre Häuserposition, die Bewegung an diesem Tag in Bogengrad, ihre ekliptikale Breite (senkrechter Abstand nördlich oder südlich zum Tierkreis) und die zwölf Häuserspitzen. „Sid. T.“ ist „Sidereal Time“ = Sternzeit, die als Basis für die Häuserberechnung dient. Unten sehen wir links das Aspektarium mit Angabe des Orbis (a für applikativ und s für separativ) und rechts diagonal die Tierkreispositionen aller Halbsummen.

 


Spezialdarstellungen des Geburtshoroskops

 

Abbildung 36: Im obigen Beispiel haben wir ein normales Horoskop mit einem so genannten „Aspektkranz“. Der Ring aussen zeigt alle Tierkreisgrade an, bei denen irgendwelche Hauptaspekte zu den Radixplaneten auftreten würden, falls ein Planet dort stünde. Dies ist sehr nützlich, wenn man z.B. Vorübergänge aktueller Planeten (Transite) beobachten möchte.

 

In manchen Fällen ist es interessant, die normale Darstellung des Geburtshoroskopes zu ergänzen. Auch gibt es grundsätzlich Unterschiede bei der Darstellung im deutschsprachigen und angelsächsischen Raum: im angelsächsichen Raum werden die Häuser gleich groß gezeichnet und dafür der Tierkreis verzerrt. Viele nehmen unterschiedliche Orben und Farben für die Aspekte oder zeichnen noch andere Aspekte wie z.B. die Quincunx (150°) und das Halbsextil (30°) ein. Die in dieser Schrift gezeigten Darstellungen entsprechen alle der im deutschsprachigen Raum üblichen Formate, auch wenn es zwischen den verschiedenen Astrologieschulen Unterschiede gibt bei den Formularen für den Tierkreis etc.. So zeichnen zum Beispiel manche Schulen (z.B. Münchner Rhythmenlehre nach Wolfgang Döbereiner) gar keine Aspekte ein, um das Horoskop übersichtlicher zu halten. Andere wiederum zeichnen die Häuserlinien durch oder zeigen bei den Planeten die Rückläufigkeit nicht an, lassen evtl. den absteigenden Mondknoten weg (er ist sowieso immer in Opposition zum aufsteigenden) usw.. Es gibt auch unterschiedliche Symbole für manche Planeten und Tierkreiszeichen, also auch entsprechende „Vorlieben“. Alles in allem ähneln sich aber die Darstellungen.

 

Auf abgeleitete Sonder-Horoskope, die auf Umrechnungen des Geburtshoroskopes beruhen

(wie z.B. Häuserhoroskop, Ortshoroskop, Relokationshoroskop, Horoskopvergleiche, Solar, Lunar, 90°-Kreis etc.)

kann ich hier aus Platzgründen nicht eingehen.

 

Abbildung 37 und 38: Manche Astrologen bevorzugen neben den Planeten auch die Angabe ihrer Positionen als Gradangabe (oben). So ist leichter zu erkennen, welche Planeten in engen Aspekten zueinander stehen, gerade dann, falls die Aspektlinien weggelassen werden. Unten sehen wir eine Darstellung unter Berücksichtigung von einigen Nebenaspekten (z.B. Quintilen – 72° und -Vielfache, gelb, so genannte Cousto-Methode). Nebenaspekte werden besonders dann untersucht, wenn ein Planet keine Hauptaspekte hat.

 


Schlusswort

 

Die Dynamik eines vollständigen Geburtshoroskops läßt sich gut vergleichen mit einem Schauspiel: die Planeten entsprechen den aktiven Schauspielern mit ihren individuellen Rollen und Eigenarten. Stil, Einfärbung und Stimmung erhalten sie durch die Tierkreiszeichen, in denen sie stehen. Ihre Ausdrucksebene und Äußerung zeigt sich auf verschiedenen Bühnen (Häuser). Ihre Dialoge und Harmonien/Disharmonien untereinander werden schließlich durch die Aspekte symbolisiert. Dabei zeigen rote Winkel (Quadrat und Opposition) grundsätzlich Spannungen, Streit, Konflikte, Widersprüche, Reibungen, Aufregungen und Dissonanzen an, während blaue Aspekte (Sextil und Trigon) prinzipiell mehr für die harmonischen, sich unterstützenden, beruhigenden gegenseitigen Einflüsse und Talente/Begabungen stehen. Die Konjunktion kann beides sein je nach dem welche Planeten zusammen stehen. Natürlich kann man auch die Winkel der Planeten zunächst alleine studieren. Ohne die Beziehung zu den Tierkreiszeichen und Häusern bleibt aber die Deutung allgemein, da es sich ja dann z.B. immer um ein Uranus-Sonne-Quadrat handelt, obwohl in einem Fall (wie oben) Sonne in Zwillinge und Uranus in Fische steht und in einem anderen Fall ganz andere Zeichen beteiligt sein können. Die Zeichen und Häuser können bei einem solchen Widerstreit den Ausschlag geben, ob einer der beiden „Streithähne“ gegenüber dem anderen im Vorteil ist, in dem er z.B. in seinem eigenen Zeichen oder Haus (oder beides) steht (Domizil). Wäre also im obigen Beispiel die Sonne im Löwen und vielleicht auch noch im 5. Haus (ebenfalls dem Löwen zugeordnet) und Uranus im Stier, so wäre Sonne eindeutig dominant. Bei einer Stellung von Uranus im Wassermann hingegen und Sonne in Skorpion wäre es genau umgekehrt. Gewichtung spielt bei der Deutung und Kombinatorik eine wesentliche Rolle. Eine Einführung in diese und andere Deutungsregeln folgt später.

 

Alle vier Deutungsebenen, Tierkreis, Häuserkreis, Planeten und Aspekte greifen eng ineinander und erst alle vier gemeinsam bilden in Synthese ein vollständiges Horoskop. Die große Kunst der Deutung ist vor allem eine Kunst der Kombinatorik, richtigen Gewichtung und Herausfilterung von prägnanten Themen. Für eine differenzierte Deutung ist deshalb die exakte Geburtszeit und der Geburtsort vor allem wegen der sich schnell bewegenden Häuser sehr wichtig. Ohne diese Angaben kann man nur ein Mundanhoroskop mit groben Aspekten zeichnen. Dabei ist aber dann bereits schon die Mondposition unsicher, da sich der Mond schnell bewegt und möglicherweise am selben Tag noch das Zeichen wechselt.

 

Alle zusätzlichen Extras wie Zusatzplaneten (Asteroiden, Kometen, fiktive Planeten, Kentauren etc.), Fixsterne, Halbsummen, Spiegel- und Sensitivpunkte etc. sind Ergänzungen, Feinheiten, Ableitungen, analytische Methoden etc. des Haupthoroskops. Die normalen Hauptfaktoren können durch sie niemals ersetzt werden, aber durchaus ergänzt und verfeinert werden. Gerade für den Einsteiger sollte die Devise gelten: weniger ist oft mehr. Vor allem künstliche/rein symbolische Zusatzfaktoren, die keinen direkten Bezug zur astronomischen Basis haben, sollten m. E. nicht überbewertet werden. Inwiefern z.B. Halbsummen wirklich „Brennpunkte“ beider Planeten sind, läßt sich astronomisch kaum nachvollziehen. Denn die Mitte im Tierkreis ist nur eindimensional gedacht; die tatsächliche räumliche „Mitte“ zwischen zwei Planeten ist ganz woanders. Andererseits ist es natürlich berechtigt nach Symmetrien im Horoskop zu suchen, um verborgene Grundstrukturen des Horoskops aufzudecken. Denn oft finden sich verschiedene Teilaspekte zu einem „Muster“ oder/und einer Aspektfigur zusammen, einem Horoskop-internen Netzwerk von Bezügen und Beziehungen. So gibt es z.B. oft bei einer Opposition zwischen zwei Planeten einen dritten, der zu beiden ein Quadrat bildet, also in der ekliptikalen Mitte, der Halbsumme steht (man spricht von einem T-Quadrat, der Brennpunkt heißt Apex). Ein solche Halbsumme wird durch diesen Planeten lebendig. Überhaupt sollte man unterscheiden zwischen passiven Punkten im Horoskop (Mondknoten, Häuserspitzen, Sensitivpunkte, Halbsummen etc.) und aktiven Faktoren (Sonne, Mond, Planeten, Asteroiden, Kentauren). Passive Punkte repräsentieren entweder eine Symmetrie oder offenbaren eine Struktur im Horoskop oder müssen durch Planetentransite, Progressionen etc. erst ausgelöst werden um „aktiv“ zu werden. Vorsicht also vor einer Deutung, die derartigen Punkten ein Eigenleben zuweist und sie vom Kontext zu den Aktiva im Horoskop loslöst.

 

Hypothetische bzw. erfundene Planeten wie z.B. die acht Transneptuner der Hamburger Schule nach Witte oder der fiktive Transpluto/Isis nach Landscheidt sind keine echten Himmelskörper, sondern eben rein theoretische. Sie basieren auf einer sehr unsicheren, wenn nicht sogar unrealistischen astronomischen Bahntheorie. Ein ausführlicher Artikel eines Astronomen (Paul Schlyter) zu Planetenhypothesen und -Irrungen findet sich auf meiner Webseite: http://www.robertvonheeren.de/HypoD.htm. Man sollte sich darüber im klaren sein, dass die Astrologie immer vom sichtbaren Himmel ausgegangen ist, nie fiktive Körper erfunden oder einbezogen hat (ausser Symmetriepunkte wie den so genannten Glückspunkt etc.). Kaum nachvollziehbar, dass trotz zig-tausend immer noch kaum erforschter echter Asteroiden (z.B. Ceres, Pallas, Juno, Vesta, Aphrodite, Zeus, Lilith etc.), vielen Kentauren (z.B. Chiron, Pholus, Nessus etc. siehe http://www.kentauren.info/menu/) und hunderter echter Plutinos, Cubewanos, Transneptunier und -plutonier (z.B. Varuna, Chaos, Ixion, Deucalion, Rhadamanthus, Quaoar etc.) an hypothetischen Himmelskörpern (Vulkanus, Isis, Admetos etc.) immer noch festgehalten wird.