Das Zykloskop

Eine neue grafische Methode zur Darstellung planetarer Zyklen vorgestellt anhand von Beispielen aus der Mundanastrologie.

© Robert von Heeren 1993-2011

(Dieser Artikel erschien in Meridian 3/94)

 

Anlaß für die Entwicklung dieser neuen Methode war vor etwa einem Jahr der Wunsch, die komplexen Planetenzyklen und -transite meinen Astrologieschülern auf möglichst einfache Art und Weise zu veranschaulichen. Dabei kam ich zu folgender Überlegung:

Man könnte den veränderlichen Abstand bzw. Aspekt eines Planeten zu einem x-beliebigen Bezugspunkt im Tierkreis (beispielsweise seiner Radixposition) in einem Bereich von 0° (Minimum) bis 180° (Maximum) grafisch darstellen. Dabei würde einerseits die spezielle Eigenart des Planetenumlaufs mit seinen zunehmenden, abnehmenden, direktläufigen, stationären und rückläufigen Phasen deutlich. Andererseits könnten aus der Grafik verschiedene Zeitpunkte einzelner Aspekt-Phasen mit ihrer Gültigkeitsdauer für einen bestimmten Zyklus direkt abgelesen werden. Umgekehrt könnte auch der "Termin" einer bestimmten Aspekt-Phase gesucht werden. Die daraus entstandene grafische Methode habe ich Zykloskop getauft, da sie uns in die Zyklen schauen läßt. Mittlerweile ist das Zykloskop ein fester Bestandteil meiner astrologischen Beratungs- und Lehrtätigkeit. (Anmerkung: Die Zykloskope erstelle ich mit eigens dafür geschriebener Software für MS-DOS, genannt "Zyklenplotter", die nicht vertrieben wird.)

Ich möchte nun anhand dreier mundanastrologischer Beispiele einige praktische Anwendungsmöglichkeiten der Zykloskopmethode vorstellen. Selbstverständlich kann die Methode aber auch genausogut für die Erforschung individueller Planetenzyklen eingesetzt werden.

 

Planetare Zyklen im Zykloskop

Beobachtet man die geozentrische Bewegung eines Transitplaneten im Verhältnis zu seiner Geburtsposition, so wird seine Periodik und sein individueller Entfaltungsrhythmus sichtbar.

Als Beispiel dafür möchte ich das geozentrische Zykloskop für die BRD für den Zeitraum 1994 - 1998 besprechen. Ich beschränke mich hier auf ihren geozentrischen Marszyklus.

 

Myrszykloskop für die BRD, 1994-1998

Abbildung 1 - Geozentrisches Marszykloskop für die BRD von 1994 - 1998

Der Geburtsmars der BRD steht geozentrisch auf 17°25' Stier.

Die horizontale Achse bildet die Zeitachse, mit Monats- und Jahresmarkierungen. Die vertikale Achse mißt den zunehmenden bzw. abnehmenden Aspekt des Transitmars zum Radixmars zwischen 0° (= Konjunktion = Marsrückkehr) und 180° (= Opposition). Die Konjunktion steht immer am Ende einer alten und gleichzeitig am Beginn einer neuen Periode. Sie symbolisiert eine Phase der Regeneration und Neuorientierung (Energieminimum). Im Gegensatz dazu bezeichnet die Opposition einen energetischen Höhepunkt, der uns oft zu Höchstleistungen aber auch zu gefährlicher Selbstüberforderung anspornt. Beide Extremwerte markieren die Wendepunkte von abnehmender nach zunehmender Phase (Konjunktion) und umgekehrt (Opposition). Dazwischen liegen andere wichtige Hauptphasen, wie beispielsweise das in der Mitte durch die 90°-Linie symbolisierte Quadrat.

Wie wir sehen, berührt die Marskurve im Juni '94 und Mai '96 die 0°-Basislinie. Dies bedeutet, daß der Transitmars mit dem Radixmars auf 17°25' Stier in Konjunktion steht, und somit jeweils ein neuer Marszyklus für die BRD beginnt. Hierbei ist die Periodik des tropischen, geozentrischen Marszyklus von knapp 2 Jahren sehr schön zu erkennen. Verfolgen wir den Zyklus ab der Konjunktion im Juni '94, so sehen wir, wie die Marskurve in der zunehmenden (aufsteigenden) Phase die 90°-Linie von November '94 bis Mai '95 insgesamt dreimal überquert. Das liegt an der im Januar '95 einsetzenden Rückläufigkeit (R) des Transitmars, die bis zur Direktläufigkeit (D) im März '95 andauert. Sie beschert uns in Deutschland auf kollektiver Ebene dreimal hintereinander ein Mars-Mars-Quadrat. Der Transitmars pendelt dann um die 17°25' Löwe. Hoffen wir, daß dieses durch die Rückläufigkeit verlängerte Marsquadrat von einigen Zeitgenossen nicht wieder zum Anlaß genommen wird, ihre angestauten Aggressionen in Form von Brandstiftungen und anderen Gewalttaten abzu-reagieren (wie in Solingen am 29.5.93 kurz vor dem exakten Mars-Mars-Quadrat vom 1.6.93). Statt dessen sollte die in jedem Marszyklus mindestens zweimal stattfindende natürliche Motivationskrise dazu genützt werden, die zugrundeliegenden Frustrationen auf nationaler Ebene zu klären. So könnte beispielsweise die bis dahin gewählte neue Bundesregierung diese Phase für eine Kurskorrektur in der Wirtschafts- und Beschäftigungspolitik nützen, um somit neue Kräfte für den deutschen Konjunkturmotor freizusetzen. Aus der Grafik ist übrigens auch ersichtlich, daß in jedem Marszyklus nur eine Rückläufigkeitsperiode vorkommt und daß sie sich jeweils um ca. 30° im Zyklus voranschiebt.

 

Zyklische Transite zu Radixplaneten (Transitoskop)

Zeichnet man den veränderlichen Abstand eines Transitplaneten zu der Radixposition eines anderen Planeten auf, so wird sein zyklischer Einfluß auf diesen Persönlichkeitsfaktor sichtbar.

Pluto-Saturn-Zykloskop für die BRD, 1994-1998

Abbildung 2 - Geozentrisches Pluto-Transitoskop für die BRD von 1994 - 1998

Hier sind nur die zwei Zyklen des transitierenden Pluto zur Sonne (obere Linie) und zum Saturn (untere Linie) der BRD eingezeichnet (normalerweise werden zehn Kurven farblich codiert dargestellt). Die für Plutotransite typische flache Wellenlinie zeigt seinen langsamen Vorwärtsgang im Tierkreis mit den vielen langen Rückläufigkeitsperioden.

Deutlich ist an der oberen Linie zu erkennen, wie Pluto aufgrund seiner "Wellenbewegung" von Januar 1996 bis September 1997 viermal hintereinander in Opposition zur Radixsonne (2°07' Zwillinge) der BRD steht. Die untere Linie zeigt, wie Pluto von Januar 1995 bis Ende September 1996 in das Quadrat zum BRD-Saturn (29°44' Löwe) läuft. Anhand der ca. 9-monatigen Überschneidung beider Transite kann man auch indirekt erkennen, daß Sonne und Saturn im Gründungshoroskop der BRD (Verfassungsverabschiedung vom 23.5.1949, 14 Uhr GMT, Bonn) im Quadrat zueinander stehen. Pluto löst 1996 also durch Spannungsaspekte das Sonne-Saturn-Quadrat der BRD aus. Eine Zeit, in der wahrscheinlich die Führungsrolle (Sonne) und gesetzgebende Autorität (Saturn) der Bundesregierung (Sonne) hinterfragt wird (Pluto) und ins Wanken gerät. Es ist außerdem anzunehmen, daß im Verlauf dieses Transits das Identitätsgefühl und Selbstbewußtsein (Sonne) der in Deutschland lebenden Menschen durch eine kollektive Krise eine tiefgreifende Wandlung und Metamorphose (Pluto) erfährt.

 

Mundane Zyklen im Zykloskop

Als letztes Beispiel für Anwendungsmöglichkeiten der Zykloskopmethode möchte ich die Darstellung eines Zyklus zweier laufenden Planeten erwähnen. Abbildung 3 zeigt eine vollständige 172-jährige Periode des letzten Uranus-Neptun-Zyklus von 1821 bis 1993.

Abbildung 3 - Geozentrischer Uranus-Neptun-Zyklus von 1800 - 2000

Geo-Interzyklus von Uranus und Neptun von 1800-2000

Hier wird der sich ständig verändernde Winkel zwischen den laufenden Planeten Uranus und Neptun als Ephemeride von Uranus-Neptun-Aspekten aufgezeichnet. Das ist beispielsweise für historische Untersuchungen der langperiodischen Mundanzyklen langsamer Planeten sehr interessant. Die Zeitskalierung von 200 Jahren pro Seite erlaubt, einen kompletten Zyklus mit den zahlreichen Rückläufigkeiten zu überblicken. Diese Darstellung zeigt einen wesentlichen Vorteil der neuen grafischen Methode: Ohne lange in den Ephemeriden blättern zu müssen, können die einzelnen Zeitpunkte der verschiedenen Hauptphasen bestimmt werden. Suchen wir beispielsweise den Zeitraum der letzte Oppositionsphase im Uranus-Neptun-Zyklus, so brauchen wir nur von dem Punkt, an dem die Kurve die Oppositionslinie berührt das Lot auf die horizontale Zeitachse fällen. Es läßt sich somit leicht feststellen, daß die Opposition in der Zeit von ca. 1906 - 1910 mehrmals exakt wurde. In umgekehrter Richtung können wir auch für einen gewünschten Zeitpunkt die entsprechende Phase ermitteln. Bei dieser Skalierung von 200 Jahren/Seite kann man natürlich keinen exakten Zeitpunkt ablesen. Dazu muß man die Skalierung verkleinern. Dann kann ein bestimmter Abschnitt im Zyklus wie unter der Lupe betrachtet werden.

Für mich persönlich symbolisiert der Dialog von Uranus und Neptun die radikale Erneuerung (Uranus) kollektiver Ideale (Neptun) und die Transzendierung (Neptun) der Individualität (Uranus). Außerdem sehe ich in dem Zusammentreffen der beiden Planeten den Widerspruch zwischen dem Wunsch nach kollektiver Vereinigung (Neptun) und dem Bedürfnis nach mehr Unabhängigkeit, Freiheit und Autonomie (Uranus) des Einzelnen. Gerade im vergangenen Zyklus entspricht dies einerseits der Gründung vieler neuer Staaten: der Identitätserneuerung (z.B. in Südamerika, Mexiko, Griechenland, Ungarn, Polen, Rußland, Serbien, Kroatien, und nicht zuletzt ...). Andererseits wurde diese Aufforderung zu menschlichem Fortschritt leider oft mißverstanden, indem sich beispielsweise ganze Völker anderen überlegen fühlten (z. B. im Imperialismus) und dabei oft rassistisch sogenannte "Minderheiten" von ihnen radikal unterdrückt wurden (z. B. Antisemitismus). Diese Spannungen führten u.a. zu einer gewaltigen und schockartigen (Uranus) Auflösung und Umformung (Neptun) alter Strukturen (der Zyklus begann 1821 im Steinbock) und Erschütterung (Uranus) der kollektiven Seele (Neptun), die bis in die heutige Zeit hineinreicht (Weltkriege). An den aktuellen Konflikten, wie beispielsweise dem Balkankrieg und der auflebenden Rechtsradikalität, sehen wir wiederholt, wie schwierig der Umgang mit diesen Themen ist. Anlaß zur Hoffnung gibt jedoch z.B. die Tatsache, daß gerade zum "Saat"-Zeitpunkt (Konjunktion) des neuen Uranus-Neptun-Zyklus im letzten Jahr, mit der Unterzeichnung des Friedensvertrags von Israel und PLO gemeinsam neue Wege eingeschlagen wurden. Vielleicht lernt die Menschheit im neuen Zyklus etwas mehr, die von Uranus und Neptun symbolisierten gegensätzlichen Kräfte und Bedürfnisse ins Gleichgewicht zu bringen.

Ich hoffe, daß diese Beispiele gezeigt haben, wie die Zykloskopmethode uns die zyklischen Planetenbewegungen bewußter und verständlicher machen kann. Ich würde mich freuen, wenn sie als nützliches Lehr- und Arbeitswerkzeug Verwendung finden würde.