Einige Erläuterungen zur Astronomie[1][1] und Mythologie

[1][2] der Kentauren

, München 2000-2012

 

Vorwort der 7-Kentauren-Ephemeride, Symbolon- und Chiron-Verlag

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Die Kentauren werden in der griechischen Mythologie im Allgemeinen als sehr wilde, unzivilisierte und rohes Fleisch fressende Wesen geschildert. Ihre Triebe geraten besonders nach Alkoholkonsum außer Kontrolle - von Vergewaltigungen und Verwüstungen wird immer wieder berichtet. Im Kampfe bewaffnen sie sich mit umgeknickten Bäumen oder ästen oder umher liegenden Felsbrocken.

Bis auf wenige Ausnahmen, auf die wir noch zu sprechen kommen, stammen diese wilden Kentauren von Ixion und Nephele ab. Der überlieferung nach verliebt sich der wilde und leidenschaftliche Ixion (in normaler menschlicher Gestalt) in die Gattin des Zeus, Hera.

Doch sie ist von seinen Annäherungsversuchen nicht angetan und flüchtet sich zu ihrem Gatten Zeus, um ihn um Hilfe zu bitten. Dieser kann zuerst ihren Klagen kaum Glauben schenken. Um Ixion zu überführen, denkt sich Zeus eine List aus: er bildet seine Gattin Hera mit einer Wolke nach und lockt Ixion zu ihr. Tatsächlich verwechselt Ixion dieses Wolkengebilde mit Namen Nephele mit der wirklichen Hera und vereinigt sich mit ihr. Nachdem Zeus nun den Beweis für Ixions frevelartiges Begehren hat, schmiedet er Ixion zur Strafe an ein Feuerrad. Nephele gebiert einen Sohn mit Namen Kentauros. Dieser hat noch immer Menschengestalt, ist aber wie sein Vater von einer so starken Triebhaftigkeit, dass er sich in den Gebirgen Magnesias des alten Griechenland mit wilden Stuten vereinigt. Als Nachkommen entstehen die bekannten Kentauren, - deren Unterleib dem Pferde ähnelt und deren Oberkörper von Menschengestalt ist.

In der Astronomie ist die Gruppe der Kentauren nicht eindeutig definiert. Als Konsens gilt zur Zeit: ihre mehr oder weniger exzentrischen Bahnen befinden sich irgendwo zwischen Jupiter und Pluto. Die meisten Kentaurenbahnen überkreuzen dabei eine oder mehrere Hauptplanetenbahnen und sind über lange Zeiträume hinweg instabil. Ihr Ursprung liegt im Kuipergürtel – einem riesigen Ring von Kleinplaneten (so genannte Eiszwerge), der das ganze Sonnensystem umspannt.

 

Chiron-SymbolChiron[1][3]

Chirons griechische Mythologie ist umfangreich, sodass sie hier nur in verkürzter Form wiedergegeben werden kann.

Die mythologischen Stationen Chirons konzentrieren sich im wesentlichen auf drei Abschnitte:

1. Chirons Geburt und Abstammung

2. Chirons Wirken als Heiler und Erzieher berühmter Helden

3. Chirons Verwundung, Unheilbarkeit und Erlösung

Den meisten Mythographen zufolge stammt Chiron vom Göttervater Chronos und der Nymphe Philyra ab, weshalb Chiron auch unsterblich ist. Der Göttervater Chronos hat sich in die Nymphe Philyra verliebt. Während der Vereinigung mit dieser Nymphe wird Chronos von seiner Gattin während des Aktes ertappt. Damit sie ihn nicht erkennt, verwandelt sich Chronos in einen Hengst, was meistens als Erklärung dafür angeführt wird, dass Chiron halb Mensch und halb Pferd ist und von seinem Vater als Missgeburt angesehen wird. Chronos verleugnet seinen Sohn Chiron - in gewisser Hinsicht kann das als ein Geburtstrauma Chirons betrachtet werden. Chiron wird (vielleicht gerade wegen seines Geburtstraumas) ein berühmter Erzieher und Lehrer, der die wichtigsten griechischen Helden, wie z. B. Achilleus, Asklepios, Jason und viele mehr ausbildet und väterlich betreut. Er unterrichtet sie vor allem in Kriegskunst (Speer werfen, Selbstverteidigung, Zweikampf), Heilkunst (einige Kräuter wie z. B. das Tausendgüldenkraut oder das Chironium sind noch heute nach ihm benannt) und Musik (auf einigen antiken Abbildungen sieht man Chiron, wie er seinen Lieblingsschüler Achilles im Lyraspiel unterweist). In vielen antiken Dichtungen wird Chiron als weiser und ehrbarer Lehrer und Heiler gepriesen, und manchmal wird er sogar als Oberhaupt der Kentauren bezeichnet[1][4].

Eines Tages wird Chiron durch einen vergifteten Pfeil, der in einem wilden Kampf blindlings von seinem Freund Herakles abgeschossen wurde, unbeabsichtigterweise im Knie getroffen. Für das Pfeilgift gibt es kein Gegenmittel und da Chiron unsterblich ist, ergibt sich für ihn eine ausweglose Situation: er erleidet unsägliche Qualen und kann sich trotz all seinem medizinischen Wissen nicht selbst heilen. Chiron zieht sich mit seinem Schmerz in seine Höhle zurück. Er wird erst einige Zeit später durch die Initiative Herakles‘ von seinem Leiden erlöst: Zeus erlaubt auf Herakles' und Prometheus' Vorschlag, dass Chiron sein Schicksal mit Prometheus tauschen darf. Chiron opfert seine Unsterblichkeit zugunsten Prometheus’ und kann so endlich in Frieden sterben.

Bedeutung des Namens: Der Name Chiron kann im etymologischen Sinne nicht übersetzt werden, da er auf einen kaum bekannten vorgriechischen Sprachstamm zurückgeht. Parallelen zu Chiropraktik, Chirologie etc. sind zwar augenfällig, aber es besteht kein wissenschaftlicher Zusammenhang. Dennoch zeigen diese volksetymologischen Beziehungen die Nähe des Chironischen zu Themen der Ganzheitlichkeit und diversen Heilpraktiken. Der Entdecker Charles T. Kowal schlug den Namen übrigens aus einem einfachen genealogischen Grund vor: Chirons Bahn liegt zwischen Saturn (Chronos) und Uranus (Uranos). Chronos ist Chirons Vater, Uranos sein Großvater.

Astronomie: 2060 Chiron („Slow moving Object Kowal“, provisorische Bezeichnung „1977 UB“) wurde von Charles T. Kowal zum ersten Mal am 18.10.1977, um 9h08m30s Weltzeit mit dem Palomar Observatorium gesichtet. Als eigentlichen Entdeckungszeitpunkt gab Kowal den 1.11.1977, gegen 18h00 Uhr Weltzeit, in Pasadena USA an. Entdeckungsposition im Tierkreis: 309’ Stier. Chirons Bahn liegt zwischen Uranus und Saturn, wobei er nur die Saturnbahn geringfügig nach innen überschreitet und die Uranusbahn nicht mehr berührt. Für einen Umlauf um die Sonne benötigt Chiron knapp 50 Jahre. Chiron ist in der Kentaurengruppe nach wie vor ein Sonderfall, denn er ist ein Riesenkomet. Da man seine Kometenaktivität erst einige Jahre nach seiner Entdeckung bemerkte, hat Chiron bis heute eine doppelte Klassifikation: er gehört sowohl zu den Kometen (wie zum Beispiel 1P/Halley. 95P/Chiron = 95. periodischer Komet Chiron) als auch zu den Kentauren (2060 Chiron), die eine Klasse von eigenartigen Kleinplaneten sind. Allerdings handelt es sich bei Chiron nicht um einen gewöhnlichen Kometen, denn dafür ist er mit seinen 288 Kilometern Durchmesser viel zu groß (der berühmte Halleysche Komet hat im Vergleich gerade mal zehn Kilometer Durchmesser). Außerdem kann es sich bei Chiron nicht um eine gewöhnliche Kometenaktivität handeln, bei der von der Sonne erhitztes Wasser verdampft. Man vermutet vielmehr, dass es sich um einen so genannten kalten Vulkanismus handelt. Die Chironbahn ist aufgrund der starken Anziehungskräfte Saturns immer wieder Störungen unterworfen und deshalb über lange Zeiträume betrachtet instabil. Beispielsweise macht es auch bei noch so präzisen Bahnberechnungen keinen Sinn, die Chironbahn für Zeiten vor dem Jahre 720 n. Chr. zurückzurechnen. Chiron hatte damals eine seltene Nahbegegnung mit Saturn und erfuhr eine signifikante Ablenkung von seiner vorherigen Bahn. Da man nicht mit 100% Genauigkeit sagen kann, dass die heutige Bahntheorie für Chiron absolut genau ist, kann für den Zeitraum vor 720 n. Chr. keine exakte Chironephemeride berechnet werden. Schon ein kleiner Fehler in den Eingabeparametern würde zu einer deutlichen Abweichung in der Störung der Chironbahn und dessen Bahn vor 720 n. Chr. führen.

 

Pholus - SymbolPholus[1][5]

 

Pholus ist im Gegensatz zu Chiron nicht unsterblich: sein Vater ist der Silen Silenios und seine Mutter ist eine Eschennymphe (eine Meliai). In den wenigen Beschreibungen über das Leben des Pholus wird er als zurückgezogen, zivilisiert und als Meister des Haruspicium (Eingeweideschau) erwähnt. Die Mythologie um Pholus ist im Vergleich zu Chiron spärlich. Im wesentlichen konzentrieren sich die überlieferungen auf die vierte Arbeit des Herakles: ihm war es aufgetragen, einen wild gewordenen erymanthischen Eber lebendig einzufangen. Auf dem Weg dorthin kehrt Herakles beim Gastwirt Pholus ein. Dieser begrüßt ihn herzlich und bewirtet ihn mit gekochtem Fleisch, obwohl Kentauren normalerweise rohes Fleisch verzehren. Pholus gibt jedoch Herakles keinen Wein. Herakles weiß aber, dass Pholus Hüter eines uralten Weinfasses ist (ein Geschenk des Dionysos) und ärgert sich, dass er diesen Wein nicht angeboten bekommt. Gegen den Willen des Pholus öffnet Herakles nun dieses Weinfass, ohne zu ahnen, was das für Folgen hat. Der intensive Geruch des Weines strömt zu den wilden Kentauren. Betört von diesem Geruch und entsetzt darüber, dass ohne ihre Zustimmung das Weinfass geöffnet wurde, stürmen sie mit ihren typischen Waffen gerüstet die Höhle des Pholus. Sofort entwickelt sich ein leidenschaftlicher Kampf zwischen Herakles und den wilden Kentauren, bei dem Pholus nur ein erschreckter Beobachter ist. Trotz ihrer überzahl, gelingt es Herakles, mit seinen Giftpfeilen die meisten Kentauren zu töten oder zu verjagen. Letztlich widmet er sich seiner eigentlichen Aufgabe, fängt den wild gewordenen Eber lebendig ein, und macht sich wieder auf den Heimweg. In der Zwischenzeit hat Pholus aus Faszination einen Giftpfeil aus einer Kentaurenleiche herausgezogen. Doch bevor er ihn eingehend studieren kann, entgleitet er ihm. Der Pfeil trifft seinen Fuß und da er nicht unsterblich ist, wird er sofort von dem Pfeilgift getötet. Als Herakles auf seinem Rückweg nun Pholus tot da liegen sieht, ist er über dieses traurige Ableben seines Freundes sehr bestürzt. Zu Pholus' Ehren beerdigt er ihn deshalb unter einem Gebirge namens Pholo.

Bedeutung des Namens: Der Name „Pholus“ (griechisch Pholos) läßt sich nicht übersetzen. Es besteht eine gewisse klangliche ähnlichkeit mit „pholis“ (Schuppe), was aber keinen eindeutigen etymologischen Hintergrund hat. Dennoch spielt das Thema „Häutung“ z. B. bei Transiten astrologisch durchaus eine wichtige Rolle. Die Entdecker hatten ursprünglich vor ihn wegen der instabilen Bahn „Chaos“ zu taufen. Doch Mitglieder der Benennungskommission der IAU waren dafür, ihn nach einem weiteren zivilisierten Kentauren zu benennen, da man ihn zusammen mit Chiron als Mitglied einer eigenen Gruppe von Kleinplaneten ansah.

Astronomie: 5145 Pholus (1992 AD) wurde von David L. Rabinowitz am 9.1.1992, 9h01m22s Weltzeit, von Kitt Peak Tucson, Arizona aus entdeckt. Entdeckungsposition im Tierkreis: 036’ Löwe. Die Pholusbahn befindet sich zwischen Saturn und Neptun, wobei Pholus beide Planetenbahnen kreuzt. Pholus schlägt sozusagen eine Brücke von Saturn zu Neptun. Seine Bahn ist im Vergleich zu Chiron deutlich exzentrischer und mit 24 Grad stärker gegen die Ekliptik geneigt. Sein Durchmesser liegt bei ungefähr 192 km. Für einen Umlauf um die Sonne benötigt er ungefähr 91 Jahre. Wie bei allen Kentaurenbahnen ist auch die Pholusbahn über lange Zeiträume nicht stabil.

 

Nessus-SymbolNessus[1][6]

 

Nessus ist neben Chiron und Pholus der dritte Kentaur, der in der griechischen Mythologie eine nicht unerhebliche Rolle spielt. Zu seiner Abstammung ist in den noch vorhandenen überlieferungen leider nichts zu finden. Die wichtigste Erzählung von Nessus handelt von einer Begegnung mit Herakles und Deianeira. Hier wird Nessus als gerechter Fährmann des Flusses Evenus erwähnt. Eines Tages kommen Herakles und Deianeira an diesen Fluss, der tief und breit ist. Nessus bietet Herakles an, Deianeira trocken auf seinem Rücken an das andere Ufer zu bringen. Für diese Ehre möchte Nessus sogar auf den obligatorischen Obolus verzichten. Herakles nimmt das Angebot an. Mitten im Fluss vergreift sich Nessus an Deianeira, sodass sie um Hilfe ruft. Herakles ist noch am anderen Ufer und schießt einen seiner Giftpfeile auf Nessus ab. Dieser trifft Nessus durch die Brust ins Herz. Er stirbt aber nicht sofort, sondern schafft es zusammen mit Deianeira noch an das andere Ufer. Da Herakles noch nicht angekommen ist, heuchelt Nessus Deianeira Reue vor. Als "Wiedergutmachung" für seine Belästigung verrät er ihr einen angeblichen Zauber: sie soll etwas von seinem Blut aufsammeln und aufbewahren. Denn wenn sie jemals Angst haben sollte, dass Herakles fremdgehe oder sich in eine andere Frau verliebt haben könnte, soll sie einfach etwas von diesem Blut nehmen und sein Unterhemd damit tränken. Deianeira glaubt ihm und nimmt etwas von seinem Blut, ohne dass Herakles etwas davon bemerkt. Einige Zeit später, als Nessus schon längst verstorben ist, ergibt sich tatsächlich eine Situation, in der Deianeira um die Treue ihres Gatten bangt. Sie erinnert sich an Nessus' Empfehlung und beträufelt ein Unterhemd mit dessen Blut und lässt es ihren Gatten überbringen, der es freudig als Geschenk seiner Gattin annimmt und anzieht. Sofort frisst sich das vergiftete Blut in die Haut des Herakles. Unter Riesenqualen versucht Herakles, sich das Unterhemd vom Leibe zu reißen. Es klebt aber so fest an seiner Haut, dass er Fetzen davon mitreißt. Schließlich wird Herakles klar, dass er dem Tod nicht mehr entrinnen kann. So gelingt Nessus posthum seine Rache an Herakles. Für Herakles ist es schließlich eine Erlösung: er steigt in den Himmel auf, wird von seinen negativen Emotionen befreit und mit seiner Mutter Hera wiederversöhnt[1][7].

Bedeutung des Namens: Für den Namen Nessus (griechisch Nessos) gibt es keine übersetzung. Die klangliche Nähe zu „Nesseln“ bzw. „Nessel“ ist rein zufällig, dennoch interessant, da z. B. das Brennen des Brennnesselkrauts durchaus die Qualen des Herakles beim Herunterreissen des von Nessusgift durchtränkten Hemdes erahnen läßt. Nessus ist der erste Kentaur und Kleinplanet, der von der IAU gemäß einem Namensvorschlag der drei Astrologen Zane B. Stein, Dieter Koch und mir benannt wurde. Die Namensvorschläge wurden von uns im Jahre 1995 per E-Mail dem Leiter des Minor Planet Center Dr. Brian Marsden unterbreitet, der sie später an die Benennungskommission der IAU weitergab. Die offizielle Bekanntgabe der Benennung von 1993 HA2 in Nessus war am 22.4.1997, 22h10 Weltzeit, Cambridge, USMA.

Astronomie: 7066 Nessus (1993 HA2) wurde von David L. Rabinowitz am 26.4.1993, 6h45m46s Weltzeit von Kitt Peak, Tucson, Arizona aus entdeckt. Entdeckungsposition im Tierkreis: 449’ Skorpion. Die Nessusbahn verbindet Saturn und Pluto. Allerdings berührt Nessus die Saturnbahn nicht mehr. Dafür überschreitet er die Plutobahn noch weiter nach außen als Pholus. Nessus schlägt somit eine Brücke von Saturn zu Pluto, was ein wesentlicher Grund für den Namensvorschlag war. Seine Umlaufzeit beträgt ca. 120 Jahre und sein Durchmesser liegt bei ungefähr 59 Kilometern. Nessus, Pholus und Chariklo fallen durch ihr dunkelrotes Spektrum auf. Sie unterscheiden sich dadurch deutlich vom unspektakulärerem, hellerem Chiron. Faszinierend ist außerdem: der erste Kentaur Chiron schlägt eine Brücke zwischen Saturn und Uranus, der zweite Kentaur Pholus überbrückt Saturn und Neptun und der dritte Kentaur Nessus verbindet Saturn und Pluto!

Pylenor1994 TA/Pylenor[1][8]

 

Dieser vierte Kentaur hat noch keinen offiziellen Namen erhalten. Das Centaur Research Project hat im Jahre 2000 der Internationalen Astronomischen Union den Namensvorschlag Pylenor unterbreitet: ein Kentaur, der durch seinen unangenehmen (wahrscheinlich schwefelartigen) Geruch aufgefallen ist. In der griechischen Mythologie wird Pylenor bei Pausanias, Beschreibung Griechenlands, Elis 1, Buch 5.5. erwähnt. Dort erzählt Pausanias von Legenden, die sich um den übelriechenden Fluss Anigrus ranken. Nach manchen davon, soll sich entweder der von Herakles im Kampf versehentlich verwundete Chiron oder eben Pylenor die Wunde in dem Wasser des Flusses gewaschen haben. Da das von Herakles verwendete Pfeilgift vom Blut der Hydra stammte und das Blut des verwundeten Kentauren dadurch verunreinigt war, bekam der Fluss den unangenehmen Geruch. Sein Wasser wurde für immer ungenießbar. Es muss an dieser Stelle allerdings angemerkt werden, dass noch nicht sicher ist, ob 1994 TA von der IAU nach Pylenor benannt werden wird. Selbstverständlich wird das CRP der IAU folgen, falls ein anderer Name gewählt wird.

Bedeutung des Namens: Der Name Pylenor kann in etwa mit „der Mann vom Tor“ übersetzt werden. An dieser sei jedoch vermerkt: Dem Leser sollte klar sein, dass die IAU nicht unbedingt unserem Namensvorschlag annehmen muss. Selbstverständlich würde das CRP eine andere Namensgebung akzeptieren.

Astronomie: 1994 TA (noch nicht nummeriert) ist recht klein (Durchmesser ca. 40 km)  und dunkel. Er wurde von David Jewitt und Jane Luu am 2.10.1994, 11h28m36s Weltzeit, Mauna Kea, Hawaii entdeckt. Entdeckungsposition im Tierkreis: 1831’ Widder. Er bewegt sich ähnlich wie Chiron zwischen Uranus und Saturn. Im Gegensatz dazu überkreuzt er aber die Uranusbahn anstatt die Saturnbahn. Umlaufzeit: 69 Jahre. Da 1994 TA nur schwer zu beobachten ist, gibt es noch nicht genügend Messwerte, um seine Bahn endgültig zu bestimmen. Die Unsicherheiten in den Positionsangaben belaufen sich auf ungefähr eine Bogenminute für 1900, ansteigend auf mehrere Bogenminuten für die Jahrhunderte davor.

 

Asbolus - SymbolAsbolus[1][9]

 

Asbolus wird in der Mythologie vor allem in Ovids 12. Buch der Metamorphosen erwähnt. Asbolus taucht hier als Anführer der wilden Kentaurenhorde und als Hellseher auf (Augur = Deuter der Vogelflugformationen). Während der Schlacht zwischen den Kentauren und den Laphiten versucht Asbolus vergeblich, die Kentauren vom Weitermachen abzuhalten. Er ahnt nämlich, dass diese Schlacht für die Kentauren verheerend ausgehen wird. Als Nessus versucht, der Schlacht zu entkommen, er fürchtet um sein Leben, ermuntert ihn Asbolus weiter zu kämpfen. Asbolus sagt zu Nessus: " Dir kann in dieser Schlacht nichts passieren. Du bist für Herakles' Pfeil vorbestimmt. " Einem anderen Mythographen zufolge (Tzetzes[1]) ist Asbolus verantwortlich dafür, dass die vom Wein betörten Kentauren die Höhle des Pholus stürmten, was schließlich zu dessen Tod führte. Herakles bestraft Asbolus später für den Tod seines Freundes Pholus, indem er ihn kreuzigt.

Bedeutung des Namens: Der Name Asbolus (griechisch Asbolos) bedeutet so viel wie Kohlestaub und leitet sich wahrscheinlich von den Köhlern des antiken Griechenlands ab. Bei der Erzeugung der Holzkohle wurden sie zwangsläufig rußschwarz.

Asbolus und Chariklo bekamen gleichzeitig ihre Namen am 30.9.1999, 16h55 Weltzeit, Cambridge, USMA. Auch dieses Mal übernahm die IAU wieder die vom CRP eingereichten Namensvorschläge.

Astronomie: 8405 Asbolus (1995 GO) wurde von James Victor Scotti am 5.4.1995, 9h26m20s Weltzeit, Kitt Peak Tucson Arizona entdeckt. Entdeckungsposition im Tierkreis: 746’ Waage. Die Asbolusbahn verläuft sehr exzentrisch zwischen der Jupiter- und der Neptunbahn. Asbolus kommt jedoch nur in die Nähe dieser beiden Bahnen, ohne sie zu überkreuzen. Umlaufzeit: 76 Jahre. Durchmesser: 53 km. Beobachtungen mit dem Hubble-Weltraumteleskop konnten zwar nicht Asbolus’ Oberfläche direkt sichtbar machen, fanden jedoch große Helligkeitsschwankungen auf der Oberfläche heraus, die auf einen großen Einschlagskrater hindeuten. Dies ist für die Astronomen besonders interessant, da sie die Kentauren bisher für recht primitive, undifferenzierte Kleinplaneten hielten.

HylonomeHylonome

 

Hylonome[1][10] ist eine der wenigen Kentaurinnen in der Mythologie. Sie wird nur von Ovid in seinem bereits erwähnten 12. Buch der Metamorphosen beschrieben. Mitten im furchtbaren Schlachtgetümmel erzählt uns Ovid von einer ergreifenden und zugleich traurigen Liebesgeschichte (die entfernt an Shakespeares Romeo und Julia erinnert): Hylonome ist eine wunderschöne, gepflegte und zivilisierte Kentaurin, die in den ebenfalls hübschen jungen Kentauren Cyllarus verliebt ist. Dieser wird während der Schlacht von einem Speer verwundet. Cyllarus stirbt in den Armen seiner geliebten Hylonome. Verzweifelt über den Tod ihres Geliebten stürzt sich Hylonome in den selben Speer, der ihrem Geliebten zum Schicksal wurde.

Bedeutung des Namens: Der Name Hylonome (griechisch Ylonome) kann sinngemäß mit „die den Wald bewohnende“ oder „die Waldbewohnerin“ übersetzt werden. Ovid beschreibt sie uns auch als in Waldflüssen badende Schönheit. Hylonome ist bereits der vierte Kentaur, der seinen Namen einen Vorschlag des CRP zu verdanken hat. Die offizielle Bekanntgabe des Namens war am 27.7.2000, 17h23m Weltzeit, Cambridge, USMA.

Astronomie: 10370 Hylonome (1995 DW2) wurde von D. Jewitt und J. Chen am 27.2.1995, 10h05m39s Weltzeit, Mauna Kea, Hawaii entdeckt. Entdeckungsposition im Tierkreis: 442’ Waage. Sie läuft auf einer wenig exzentrischen Bahn zwischen Uranus und Neptun. Sie ist eine der wenigen Kentauren, die überhaupt nicht in die Nähe des Saturn kommen. Auf Grund dieser ungewöhnlichen Umstände und der geringen Exzentrizität - des relativ "runden " und gemäßigten Orbits - lag es nahe, hier einen weiblichen Kentaurennamen vorzuschlagen. In Sonnennähe (Perihel) berührt Hylonome die Uranusbahn, ohne sie jedoch nach innen zu überschreiten. In Sonnenferne (Aphel) überschreitet Hylonome geringfügig die Neptunbahn. Umlaufzeit: 124 Jahre. Durchmesser: 130 km.

 

Chariklo-SymbolChariklo[1][11]

Chariklo ist in der griechischen Mythologie die Gattin des Chiron. Auf alten Vasendarstellungen und Reliefs wird sie nicht als Kentaurin dargestellt, sondern als menschliche Frau. Ihre edle Natur, Schönheit und Kultiviertheit wird in den Darstellungen dadurch hervorgehoben, dass sie meistens in Gesellschaft von Göttinnen wie z. B. den Göttinnen Iris und Demeter zu sehen ist. Zusammen mit Chiron hat sie eine Tochter mit Namen Endis, manchmal auch Okyrhoe oder Melanippe genannt. Es gibt auch noch eine andere Chariklo in der griechischen Mythologie, die unabhängig von Chiron erwähnt wird und Mutter des berühmten und blinden Sehers Teiresias ist. Es ist unklar, ob es sich dabei um dieselbe Chariklo handelt - wahrscheinlich ist dies nicht der Fall.

Bedeutung des Namens: Der Name Chariklo kann mit „die wegen ihrer Grazie berühmte“ übersetzt werden. Erwähnenswert ist aber, dass Chariklo eine Najade, also Wassernymphe ist. Ihnen wurden im alten Griechenland hellseherische, weise und heilende Fähigkeiten nachgesagt. Interessant, dass ausgerechnet sie die Gattin Chirons wurde. Und auch ihre Tochter erbte die hellseherische Begabung. (Ihr Name Okyrhoe wurde übrigens vom CRP der IAU für den 8. Kentauren 1998 SG35 vorgeschlagen, dessen Bahn zwischen Jupiter und Saturn verläuft). Auch im Falle Chariklos war es wieder das CRP, das den Namen für 1997 CU26 unterbreitete. (Zur offiziellen Bekanntgabe der Benennung siehe Asbolus.)

Astronomie: 10199 Chariklo (1997 CU26) wurde von James Victor Scotti am 15.2.1997, 2h51m15s Weltzeit, Kitt Peak, Tucson Arizona entdeckt. Entdeckungsposition im Tierkreis: 604’ Löwe (eingebunden in ein großes Hexagramm). Chariklo gehört mit ungefähr 302 km Durchmesser zu den größten Kentauren. Ihre Bahn ist im Vergleich zu den anderen Kentaurenbahnen ungewöhnlich. Sie überschneidet keine einzige Hauptplanetenbahn. Beinahe kreisförmig befindet sie sich zwischen Saturn und Uranus. Die ähnliche Lage wie die Chironbahn, sowie die geringe Exzentrizität veranlasste uns, einen weiblichen Namen vorzuschlagen. Da es für Kentaurenbahnen sehr ungewöhnlich ist, dass sie keine andere Hauptplanetenbahn überkreuzt, ist es folgerichtig, dass hier eine dem Kentauren Chiron nahe stehende Najade (Wassernymphe) vorgeschlagen wurde. Astronomen fanden im Spektrum Chariklos außerdem überraschend Hinweise auf Wassereis. Chariklos Umlaufzeit beträgt 62 Jahre.


[1][1] Weitere astronomische Details entnehmen Sie bitte den Tabellen im Anhang. Entdeckungshoroskope, Grafiken der Bahnen und weitere Infos finden Sie im Internet auf der Seite des Kentauren-Forschungsprojektes (deutsch-englisch): http://www.kentauren.info/menu/home.shtml

[1][2] Ausführliche neue übersetzungen der Mythologie um Chiron und Pholus finden Sie in meinem Buch " Pholus - Wandler zwischen Saturn und Neptun ", Koautor Dieter Koch, Chiron Verlag Mössingen, sowie in verschiedenen Artikeln, die auch auf der unter Fußnote 1 erwähnten Internetseite zu finden sind.

[1][3] Chirons Symbol wurde von einem anonymen amerikanischen Künstler kreiert. Ursprünglich war es als “K” auf einem “O”-val gedacht, welches die englische Abkürzung und das Wortspiel “Kowals Oval” oder  “Kowals Objekt” wiedergeben sollte. Es ist aber auch der halbierte griechische Großbuchstabe Kappa oder ein halbiertes Kreuz. Mehr als 50 amerikanische Astrologie-Vereinigungen stimmten in einer demokratischen Abstimmung dem Symbolentwurf zu.

[1][4] Aus Platzgründen muss hier auf eine umfangreiche Literaturliste zur Quellenangabe und griechischer Mythologie verzichtet werden. Eine wesentliche Zusammenfassung der Mythologie um Chiron und Pholus findet der interessierte Leser im Buch "Pholus - Wandler zwischen Saturn und Neptun", Chiron Verlag. Weitere wichtige Quellen: Publius Ovidius Naso: Metamorphosen, Epos in 15 Büchern, Reclam Verlag Stuttgart; Michael Grant/John Hazel: Lexikon der antiken Mythen und Gestalten, dtv

[1][5] Pholus’ Symbol ist der halbierte griechische Großbuchstabe Phi, der auf einer für alle Kentauren typischen Basisellipse steht. Die Ellipse erinnert an die exzentrische Pholusbahn. Autor: Robert von Heeren.

[1][6] Das Symbol für Nessus ist der griechische Großbuchstabe N auf einer Basisellipse. Autor: Robert von Heeren.

[1][7] Sophokles hat ein sehr beeindruckendes Drama über Nessus, Herakles und Deinaeira verfasst: Die Trachinierinnen.

[1][8] Das Symbol für Pylenor ist vorläufig und wurde von mir am 27.11.2000 kreiiert. Es repräsentiert den ersten Großbuchstaben Pi in Pylenor, auf einer Basisellipse stehend.

[1][9] Asbolus’ Symbol wurde von mir entworfen und stellt den großen Anfangsbuchstaben Alpha dar, der zugleich eine nach oben gerichtete Pfeilspitze andeutet, die auf einer Basisellipse steht. Dies soll unter anderem an den Auguren Asbolus erinnern, der Zeichen vom Himmel ablas.

[1][10] Der Name Hylonome wurde nur in Ovids erwähntem Buch gefunden und ist eine lateinisierte Form. Die griechische Urform, auf die sich Ovid mit diesem Namen wahrscheinlich bezogen hat, muss ohne den Anfangsbuchstaben "H" geschrieben worden sein, da dass griechische Alphabet kein "H" kennt. Deshalb wurde für das Symbol ein Ypsilon gewählt, welches wie bei allen Kentaurensymbolen auf einer Basisellipse steht. Das Y symbolisiert gleichzeitig eine nach unten zeigende Pfeilspitze, was als Anspielung an den Freitod Hylonomes gemeint ist.

[1][11] Chariklos Symbol wurde vom polnischen Astrologen Piotr Piotrwoski entwickelt. Es symbolisiert ein „C“ und auch ein kleines griechisches Kappa, welches auf einer abgeschwächten Basisellipse steht. Das „C“ erinnert auch absichtlich an eine Mondsichel, die den weiblichen Charakter der Kentaurin hervorheben soll.



[1] Quelle: Tzetzes, Chil. V, Hist. 22,115 - 137

übersetzung ins Deutsche aus dem Original Dieter Koch, Zürich 2004

Der Kentaur Asbolos

Nach der Aufgabe betreffend die Hindin mit dem goldenen Geweih wurde

Herakles von dem Kentauren Pholos gastlich aufgenommen, von dem das Gebirge

Pholoe seinen Namen erhalten hat. Dieser Pholos öffnete dem Herakles, dem

er einen Trunk anbieten wollte, den gemeinsamen Weinkrug der Kentauren.

Sobald aber der Geruch des Weines umherging, trommelte Asbolos die gesamte

Kentaurenschaft zusammen und stiftete sie an, dem Herakles eine Schlacht zu

liefern. Herakles tötete die meisten der Kentauren. Versehentlich aber auch

den Chiron, der am Knie getroffen wurde; denn der Pfeil durchdrang den Arm

des Elatos, traf Chirons Knie und richtete ihn zugrunde.  So tötete

Herakles die meisten mit Pfeilen. Den Asbolos aber kreuzigte er, weil er

der Urheber des Kampfgetümmels war. Darauf schrieb er höchstpersönlich ein

passendes Epigramm. Er war nämlich sehr klug, war Astrologe und Dichter,

Philosoph und Magier, und Arzt und anderes, wie mir Orpheus und die anderen

Schriftsteller über ihn zeigen. Das Epigramm lautet:

"Asbolus fürchtet weder die Strafe der Götter noch der Menschen.

An hoher, glänzender Fichte hängend,

ist er den ewiglebenden Raben als Speise geweiht."