Kentauren -
Schlüssel zu neuen Dimensionen in der
Astrologie
© Symbolon-Verlag & Robert von Heeren
Vorworts zur 7-Kentauren-Ephemeride.
Erhältlich bei Symbolon- und Chiron-Verlag.
Nachdruck oder Kopie in eine andere Webseite nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Verlage!
Prolog
Seit der Entdeckung Chirons im Jahre 1977 und der sukzessiven Erforschung seiner astrologischen Bedeutung hat sich in der "Astrologie der Kentauren" viel getan. Für lange Zeit glaubte man, dass der Heiler und Helden-Erzieher für immer ein ungewöhnlicher "Einzelgänger" und "Maverick" unter den Planeten bleiben würde: die Entdeckung des 2. Kentauren Pholus im Jahre 1992 belehrte uns eines besseren. Seit dem machen die Kentauren immer mehr von sich reden.
Im Jahre 1993 spürten Astronomen den 3. Kentauren auf. Vier Jahre später sorgte dieser in der
astrologischen Welt für eine Sensation: die Internationale
Astronomische Unionakzeptierte
im April 1997 zum ersten Mal in ihrer Geschichte einen von
Astrologen eingereichten Namensvorschlag für den 3. Kentauren
1993 HA2, nämlich Nessus. Noch nie zuvor hatten Astrologen einen neuen
Deutungsfaktor erhalten, den sie selbst getauft und damit
vordefiniert hatten!
Das 1997 von mir gegründete
Centaur Research Project (kurz CRP[1]),
zu dem so namhafte Astrologen und Astrologinnen gehören wie z. B.
Zane B. Stein(Chironpionier in den USA), Melanie
Reinhardt (Chironspezialistin in Großbritannien), Dieter
Koch (Schweizer Philosoph, Astrologe und zusammen mit mir
Mitverfasser des 1. Buches über Pholus[2]), Karen
Hamaker-Zondag(Inhaberin des
Symbolon-Verlages, Kentauren-Forscherin in den Niederlande,
Verlegerin der 7-Kentauren-Ephemeride) und noch viele andere,
verfolgt und studiert seit dem aufmerksam die vielen weiteren
Entdeckungen von Kentauren[3]und durfte sogar
weitere Kentauren taufen (Asbolus und Chariklo im Jahre 1999, Hylonome im Jahre 2000).
Die Geschichte der
Benennung - warum ausgerechnet bei den Kentauren? - und zügigen
astrologischen Erforschung der Doppelwesen beweist, wie tief
und eng die Beziehung der Astrologie zu den Kentauren ist.
Einige Beispiele mögen dies belegen: Für die astrologische
Szene äußerst untypisch schlug der Kleinplanet und Riesenkomet Chiron
bereits Wochen nach seiner Entdeckung die Astrologen in
den Bann. Dank der technischen Unterstützung des Leiters des
Kleinplaneten-Zentrums (Minor Planet Center) Dr. Brian Marsden erhielten die
amerikanischen Astrologen um Zane Stein und Al H. Morrison sehr schnell eine vorläufige
Chironephemeride. Damit wurde Ende der Siebziger der
Grundstein zu einer bedeutungsvollen Zusammenarbeit und Brücke
zwischen Astrologen und Astronomen gelegt, ohne die die
nachfolgende Benennungskooperation undenkbar gewesen wäre. Bald
stellte sich heraus, dass Chiron mit wichtigen
Themenkomplexen wie Gesundheit-Heilung-Krankheit, Verwundung
und einem Erkenntnis- und Reifungsprozess in
Verbindung steht, bei dem es um das Annehmen einer nicht
mehr rückgängig zu machenden Veränderung geht (z. B. bei einer
unheilbaren Krankheit). Chirons Symbol wurde - was
ebenfalls ein Novum in der Astrologie war - während eines
Astrologie-Kongresses in den USA in einer demokratischen
Abstimmung mit über 50 astrologischen Vereinigungen
verabschiedet.
Nachdem die Astronomen Pholus
und Nessus entdeckt hatten, war bald klar, dass die Entdeckung
und astrologische Entschlüsselung Chirons nur der Auftakt
zu einer faszinierenden Entdeckungsreise in neue Dimensionen
der Astrologie war und ist. Denn die Kentauren entpuppen sich
als noch vielschichtiger als bei Chiron erwartet: Sie
verweisen uns in beeindruckender Intensität und
Differenziertheit auf den Kern unseres Menschseins. Wie
die Kentauren in der griechischen und römischen Mythologie so
besitzen auch wir eine animalisch-chtonische, wilde
und instinktive Seite (symbolisiert durch den Pferdeunterleib)
und eine bewusstere, geistige und göttliche
Seite (der menschliche Oberkörper). In dem Spannungsfeld
dieser Pole spielt sich letztlich das menschliche Dilemma
ab: Wie können wir kaum kontrollierbare Urkräfte zulassen und
sie uns nutzbar machen, ohne von ihnen überwältigt und weggespült
zu werden? Hier liegt das gesamte Spektrum von brutaler Gewalt,
Niederträchtigkeit bis hin zu blindem Wahnsinn auf
der einen Seite und all der Produktivität, Kreativität
und Kultiviertheit auf der anderen Seite - die einzelnen
Kentauren verkörpern die unterschiedlichsten Synthesen
und Ambivalenzen.
Astrologisch gesehen sprengen
die Kentauren unseren Alltag und unsere festgefügte
Weltsicht, in dem sie uns anhand unserer vielfältigen Verwundbarkeit
und Sterblichkeit mit dem Transsaturnischen
verbinden. Die Wunde ist dabei generell ein Schlüsselsymbol:
Wesensfremde Kräfte gehen uns "unter die Haut",
dringen in uns ein und verändern uns schließlich. Verderben
oder Segen? Kein Wunder, dass die Kentauren teilweise auch mit
den modernen Seuchen, Viren und den "Fortschritten"
in der Gentechnologie in Verbindung gebracht werden[4].
Weiterhin scheinen sie
nicht nur physikalisch, mit ihren meistens recht elliptischen
Umlaufbahnen, Brücken in die Reiche des Uranus,
Neptun und Pluto zu schlagen. Astrologische
Erfahrungen zeigen, dass Pholus zum Beispiel unter anderem
die Bereitschaft symbolisiert, sich spontan und oft auch
noch mit Euphorie von Altem zu trennen (Uranus) und sich von
etwas Neuem transformieren zu lassen (Neptun/Pluto). Bei Nessus
suchen wir unbewusst den Schmerz, der uns durch Perioden
enormen inneren Aufruhrs und Affekts am Ende zu einer
tiefen Erkenntnis, ja leidenschaftlichen Erleuchtung und inneren
Verwandlung und damit Befreiung von alten Abhängigkeiten
führt.
Kentauren konfrontieren
den Astrologen mit der Notwendigkeit der Integration
von Neuem. Sie fordern uns auf, über die bisherigen Grenzen
der Astrologie zu gehen und neue Brücken zwischen sehr
verschiedenen Ufern zu schlagen: so sind z. B. die astronomischen
Eigenschaften der Kentauren so ungewöhnlich, dass ihr
Studium viel ergiebiger und wichtiger ist als bei den Hauptplaneten.
Auch die Tatsache der Zusammenarbeit mit den Astronomen zeigt: Kentauren
verbinden und vermischen unterschiedlichste Welten und
appellieren an unseren Sinn für Ganzheit und Toleranz.
Vorurteile gegenüber "Neuen Planeten" sind zwar verständlich,
bei näherem Hinsehen aber deplatziert. Auch die Angst vor Überschwemmung
durch neue Deutungsfaktoren muss überwunden werden. Wir
sollten endlich realisieren, dass es eine Illusion ist, zu
glauben, das Leben und die Natur in ihrer ganzen Komplexität ließe
sich auf ein paar wenige Deutungsfaktoren reduzieren: Angesichts
der exponenziell zunehmenden Heterogenität des heutigen Lebens
ist diese Haltung längst zum Anachronismus geworden.
Was mich von Anfang an
bei der Auseinandersetzung mit den Kentauren faszinierte: Bei der
Frage nach den besten Forschungsmethoden kehren wir zu den Wurzeln
der Astrologie und des astrologischen Denkens und
Assoziierens zurück. Wie stellt man fest, ob ein neuer Planet
astrologisch relevant ist? In wiefern spielt seine Mythologie,
sein Name, seine astronomischen Eigenschaften astrologisch eine
Rolle? Fragen über Fragen. Eine Kombination aus kritischer
Offenheit, Kommunikation, jahrelanger Erfahrung und Geduld sind
gefragt. Letztlich werden erst zukünftige Generationen den
astrologischen Stellenwert der Kentauren objektiv beurteilen können.
Meiner Überzeugung nach wird bis dahin mindestens die erste Kentauren-Triade
bestehend aus Chiron, Pholus und Nessus
einen festen Platz in der Astrologie eingenommen haben.
Um die Erforschung der
Kentauren einem breiteren Publikum zu ermöglichen, wird hier
eine Ephemeride mit einer Auswahl an Kentauren
vorgestellt, deren Bahnen gut (1994 TA) bis sehr gut (alle
anderen Kentauren) ermittelt werden konnten[5]. Um den Zugang zu den
Kentaurenthemen zu erleichtern, folgen Zusammenfassungen der Mythologien
und astronomischen Eigenschaften, ergänzt durch andere
Infos.
Ich hoffe, diese
Ephemeride wird Ihnen als Astrologe und astrologisch
interessierter Leser wichtige Einblicke in die faszinierende Welt
der Kentauren ermöglichen. Möge es Ihre Astrologie und Ihr
Leben bereichern.
Robert von Heeren, München im November 2000
[1] Englisch und deutschsprachige Homepage des
CRP im Internet: http://www.centaurresearchproject.de/menu/
[2] "Pholus - Wandler zwischen Saturn und Neptun/Die Wende ins Unerwartete", Chiron Verlag Mössingen 1995. Der Autor ist auch per E-Mail unter Robert von Heeren
[3] Bis Ende 2000 sind bereits über 20 Kentauren entdeckt worden.
[4] Ende 2000 wurde zum Beispiel bekannt, dass
das Europäische Patentamt einen Antrag auf ein Patent abgesegnet
hat, das die Mischung menschlicher und tierischer Stammzellen zur
Erzeugung von Kreuzungen ermöglicht.
[5] Ausgangsmaterial zur Berechnung der Ephemeride sind die so genannten oskulierenden Bahnelemente für jede Kentaurenbahn, die nach ausreichend vielen Beobachtungswerten von der Internationalen Astronomischen Union, dem Minor Planet Center und dem Lowell Observatorium bekanntgegeben werden. Bei der Ephemeridenberechnung wurden die Störungen durch die Anziehungskräfte aller Hauptplaneten des Sonnensystems auf die Kentauren berücksichtigt. Näheres zum Berechnungsverfahren siehe Titelblatt der Ephemeride.