Kentauren -

Schlüssel zu neuen Dimensionen in der Astrologie

© Symbolon-Verlag &

Vorworts zur 7-Kentauren-Ephemeride.

Erhältlich bei Symbolon- und Chiron-Verlag.

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Prolog

Seit der Entdeckung Chirons im Jahre 1977 und der sukzessiven Erforschung seiner astrologischen Bedeutung hat sich in der "Astrologie der Kentauren" viel getan. Für lange Zeit glaubte man, dass der Heiler und Helden-Erzieher für immer ein ungewöhnlicher "Einzelgänger" und "Maverick" unter den Planeten bleiben würde: die Entdeckung des 2. Kentauren Pholus im Jahre 1992 belehrte uns eines besseren. Seit dem machen die Kentauren immer mehr von sich reden.

Im Jahre 1993 spürten Astronomen den 3. Kentauren auf. Vier Jahre später sorgte dieser in der astrologischen Welt für eine Sensation: die Internationale Astronomische Unionakzeptierte im April 1997 zum ersten Mal in ihrer Geschichte einen von Astrologen eingereichten Namensvorschlag für den 3. Kentauren 1993 HA2, nämlich Nessus. Noch nie zuvor hatten Astrologen einen neuen Deutungsfaktor erhalten, den sie selbst getauft und damit vordefiniert hatten!

Das 1997 von mir gegründete Centaur Research Project (kurz CRP[1]), zu dem so namhafte Astrologen und Astrologinnen gehören wie z. B. Zane B. Stein(Chironpionier in den USA), Melanie Reinhardt (Chironspezialistin in Großbritannien), Dieter Koch (Schweizer Philosoph, Astrologe und zusammen mit mir Mitverfasser des 1. Buches über Pholus[2]), Karen Hamaker-Zondag(Inhaberin des Symbolon-Verlages, Kentauren-Forscherin in den Niederlande, Verlegerin der 7-Kentauren-Ephemeride) und noch viele andere, verfolgt und studiert seit dem aufmerksam die vielen weiteren Entdeckungen von Kentauren[3]und durfte sogar weitere Kentauren taufen (Asbolus und Chariklo im Jahre 1999, Hylonome im Jahre 2000).

Die Geschichte der Benennung - warum ausgerechnet bei den Kentauren? - und zügigen astrologischen Erforschung der Doppelwesen beweist, wie tief und eng die Beziehung der Astrologie zu den Kentauren ist. Einige Beispiele mögen dies belegen: Für die astrologische Szene äußerst untypisch schlug der Kleinplanet und Riesenkomet Chiron bereits Wochen nach seiner Entdeckung die Astrologen in den Bann. Dank der technischen Unterstützung des Leiters des Kleinplaneten-Zentrums (Minor Planet Center) Dr. Brian Marsden erhielten die amerikanischen Astrologen um Zane Stein und Al H. Morrison sehr schnell eine vorläufige Chironephemeride. Damit wurde Ende der Siebziger der Grundstein zu einer bedeutungsvollen Zusammenarbeit und Brücke zwischen Astrologen und Astronomen gelegt, ohne die die nachfolgende Benennungskooperation undenkbar gewesen wäre. Bald stellte sich heraus, dass Chiron mit wichtigen Themenkomplexen wie Gesundheit-Heilung-Krankheit, Verwundung und einem Erkenntnis- und Reifungsprozess in Verbindung steht, bei dem es um das Annehmen einer nicht mehr rückgängig zu machenden Veränderung geht (z. B. bei einer unheilbaren Krankheit). Chirons Symbol wurde - was ebenfalls ein Novum in der Astrologie war - während eines Astrologie-Kongresses in den USA in einer demokratischen Abstimmung mit über 50 astrologischen Vereinigungen verabschiedet.

Nachdem die Astronomen Pholus und Nessus entdeckt hatten, war bald klar, dass die Entdeckung und astrologische Entschlüsselung Chirons nur der Auftakt zu einer faszinierenden Entdeckungsreise in neue Dimensionen der Astrologie war und ist. Denn die Kentauren entpuppen sich als noch vielschichtiger als bei Chiron erwartet: Sie verweisen uns in beeindruckender Intensität und Differenziertheit auf den Kern unseres Menschseins. Wie die Kentauren in der griechischen und römischen Mythologie so besitzen auch wir eine animalisch-chtonische, wilde und instinktive Seite (symbolisiert durch den Pferdeunterleib) und eine bewusstere, geistige und göttliche Seite (der menschliche Oberkörper). In dem Spannungsfeld dieser Pole spielt sich letztlich das menschliche Dilemma ab: Wie können wir kaum kontrollierbare Urkräfte zulassen und sie uns nutzbar machen, ohne von ihnen überwältigt und weggespült zu werden? Hier liegt das gesamte Spektrum von brutaler Gewalt, Niederträchtigkeit bis hin zu blindem Wahnsinn auf der einen Seite und all der Produktivität, Kreativität und Kultiviertheit auf der anderen Seite - die einzelnen Kentauren verkörpern die unterschiedlichsten Synthesen und Ambivalenzen.

Astrologisch gesehen sprengen die Kentauren unseren Alltag und unsere festgefügte Weltsicht, in dem sie uns anhand unserer vielfältigen Verwundbarkeit und Sterblichkeit mit dem Transsaturnischen verbinden. Die Wunde ist dabei generell ein Schlüsselsymbol: Wesensfremde Kräfte gehen uns "unter die Haut", dringen in uns ein und verändern uns schließlich. Verderben oder Segen? Kein Wunder, dass die Kentauren teilweise auch mit den modernen Seuchen, Viren und den "Fortschritten" in der Gentechnologie in Verbindung gebracht werden[4].

Weiterhin scheinen sie nicht nur physikalisch, mit ihren meistens recht elliptischen Umlaufbahnen, Brücken in die Reiche des Uranus, Neptun und Pluto zu schlagen. Astrologische Erfahrungen zeigen, dass Pholus zum Beispiel unter anderem die Bereitschaft symbolisiert, sich spontan und oft auch noch mit Euphorie von Altem zu trennen (Uranus) und sich von etwas Neuem transformieren zu lassen (Neptun/Pluto). Bei Nessus suchen wir unbewusst den Schmerz, der uns durch Perioden enormen inneren Aufruhrs und Affekts am Ende zu einer tiefen Erkenntnis, ja leidenschaftlichen Erleuchtung und inneren Verwandlung und damit Befreiung von alten Abhängigkeiten führt.

Kentauren konfrontieren den Astrologen mit der Notwendigkeit der Integration von Neuem. Sie fordern uns auf, über die bisherigen Grenzen der Astrologie zu gehen und neue Brücken zwischen sehr verschiedenen Ufern zu schlagen: so sind z. B. die astronomischen Eigenschaften der Kentauren so ungewöhnlich, dass ihr Studium viel ergiebiger und wichtiger ist als bei den Hauptplaneten. Auch die Tatsache der Zusammenarbeit mit den Astronomen zeigt: Kentauren verbinden und vermischen unterschiedlichste Welten und appellieren an unseren Sinn für Ganzheit und Toleranz. Vorurteile gegenüber "Neuen Planeten" sind zwar verständlich, bei näherem Hinsehen aber deplatziert. Auch die Angst vor Überschwemmung durch neue Deutungsfaktoren muss überwunden werden. Wir sollten endlich realisieren, dass es eine Illusion ist, zu glauben, das Leben und die Natur in ihrer ganzen Komplexität ließe sich auf ein paar wenige Deutungsfaktoren reduzieren: Angesichts der exponenziell zunehmenden Heterogenität des heutigen Lebens ist diese Haltung längst zum Anachronismus geworden.

Was mich von Anfang an bei der Auseinandersetzung mit den Kentauren faszinierte: Bei der Frage nach den besten Forschungsmethoden kehren wir zu den Wurzeln der Astrologie und des astrologischen Denkens und Assoziierens zurück. Wie stellt man fest, ob ein neuer Planet astrologisch relevant ist? In wiefern spielt seine Mythologie, sein Name, seine astronomischen Eigenschaften astrologisch eine Rolle? Fragen über Fragen. Eine Kombination aus kritischer Offenheit, Kommunikation, jahrelanger Erfahrung und Geduld sind gefragt. Letztlich werden erst zukünftige Generationen den astrologischen Stellenwert der Kentauren objektiv beurteilen können. Meiner Überzeugung nach wird bis dahin mindestens die erste Kentauren-Triade bestehend aus Chiron, Pholus und Nessus einen festen Platz in der Astrologie eingenommen haben.

Um die Erforschung der Kentauren einem breiteren Publikum zu ermöglichen, wird hier eine Ephemeride mit einer Auswahl an Kentauren vorgestellt, deren Bahnen gut (1994 TA) bis sehr gut (alle anderen Kentauren) ermittelt werden konnten[5]. Um den Zugang zu den Kentaurenthemen zu erleichtern, folgen Zusammenfassungen der Mythologien und astronomischen Eigenschaften, ergänzt durch andere Infos.

Ich hoffe, diese Ephemeride wird Ihnen als Astrologe und astrologisch interessierter Leser wichtige Einblicke in die faszinierende Welt der Kentauren ermöglichen. Möge es Ihre Astrologie und Ihr Leben bereichern.

Robert von Heeren, München im November 2000


[1] Englisch und deutschsprachige Homepage des CRP im Internet: http://www.centaurresearchproject.de/menu/

[2] "Pholus - Wandler zwischen Saturn und Neptun/Die Wende ins Unerwartete", Chiron Verlag Mössingen 1995. Der Autor ist auch per E-Mail unter Robert von Heeren

[3] Bis Ende 2000 sind bereits über 20 Kentauren entdeckt worden.

[4] Ende 2000 wurde zum Beispiel bekannt, dass das Europäische Patentamt einen Antrag auf ein Patent abgesegnet hat, das die Mischung menschlicher und tierischer Stammzellen zur Erzeugung von Kreuzungen ermöglicht.

[5] Ausgangsmaterial zur Berechnung der Ephemeride sind die so genannten oskulierenden Bahnelemente für jede Kentaurenbahn, die nach ausreichend vielen Beobachtungswerten von der Internationalen Astronomischen Union, dem Minor Planet Center und dem Lowell Observatorium bekanntgegeben werden. Bei der Ephemeridenberechnung wurden die Störungen durch die Anziehungskräfte aller Hauptplaneten des Sonnensystems auf die Kentauren berücksichtigt. Näheres zum Berechnungsverfahren siehe Titelblatt der Ephemeride.